Wirtschaftlicher Aufschwung im 19. Jahrhundert

Während die Einwohnerzahl der Stadt sich bereits in der ersten Hälfte des 19. Jh. sprunghaft nach oben entwickelte, platzte Görlitz ab der Jahrhundertmitte auch flächenmäßig aus allen Nähten. Bis zu dieser Zeit bestand Görlitz im Wesentlichen, von den bereits älteren Vorstadtgebieten einmal abgesehen, innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern.

Die Erweiterung der Fläche der Stadt begann mit Abbrüchen innerhalb der Altstadt (Hauptwache, Salzhaus) und dem Rückbau der Stadtbefestigung. Erst in einem zweiten Schritt erfolgte dann die planmäßige Entwicklung der Stadt in Richtung Süden, wo sich, der Planung folgend, nach und nach ein neues Wohn- und Geschäftszentrum entwickelte. Die Altstadt war nicht mehr länger Zentrum der Stadt. Bis zur Wende zum 20.Jh. verlagerte sich die Mitte der Stadt in den Bereich zwischen Frauenkirche und neu angelegtem Bahnhof.

Architektonisch war diese Epoche der Stadtentwicklung anfangs von einer Reihe klassizistischer Bauten, später von den Baustilen Neogotik und Neorenaissance geprägt. In den ersten Jahren des 20.Jh. wurden dann viele Bauvorhaben vom Jugendstil beeinflusst.

Wichtiger Motor für diese rasante Entwicklung war die Vielzahl der Gewerbegründungen, die mit dem Wirksamwerden der preußischen Gewerbeordnung (1845) und der damit verbundenen Gewerbefreiheit möglich wurden. Das sich neu entwickelnde Gewerbe war von da an frei von jeglichen Zunftbindungen. Einige dieser Neugründungen entwickelten sich in den Folgejahren zu kapitalistischen Großbetrieben, die bis in die heutige Zeit zu verfolgen sind.

Literatur:

weiterführende Texte:

  • Aspekte des Stadterweiterungsprozesses von Görlitz im 19. Jahrhundert; Andreas Bednarek; in Erbe und Auftrag; Beiträge der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz, 1992