Verleihung des Stadtrechts und Privilegien

Mit der Verleihung des Stadtrechtes (nach dem Vorbild des Magdeburger Rechts) erlangte Görlitz als erste Stadt der Oberlausitz die Obergerichtsbarkeit und damit die Unabhängigkeit vom landesherrlichen Vogteigericht. Zunehmend wurden die Dörfer und Siedlungen in der Umgebung der städtischen Gerichtsbarkeit unterstellt. Die Zahl der Dörfer und Siedlungen, die in diesem Zusammenhang der Stadt Görlitz unterstellt waren, steigt im Verlauf des 14. Jahrhunderts auf 200. Gleichzeitig stieg auch die Einwohnerzahl der Stadt. 1472 hatte Görlitz bereits ca. 8300 Bewohner.

In diese Zeit fiel auch die Verleihung von Rechten und Privilegien durch den Landesherrn an die Städte der Oberlausitz. Von König Johann erhielt Görlitz 1330 das Recht, eigene Münzen zu prägen. Dieses Recht wurde 1429 durch König Sigismund bestätigt und verblieb bis zum Pönfall 1547 bei der Stadt. Andere für die Entwicklung der Stadt und ihrer Bewohner wichtige Voraussetzungen waren das Zollrecht, das Braurecht, die freie Gerichtsbarkeit und das Recht, Salz zu stapeln.

Von der wirtschaftlichen Entwicklung der oberlausitzer Städte zeugen noch heute u.a. die dokumentierten Streitigkeiten untereinander um im Laufe der Zeit erworbene Rechte und Privilegien. Während Görlitz das Stapelrecht für Waid (seit 1339) besaß, wurde Zittau vom böhmischen König nur der Gebrauch für den Eigenbedarf zugestanden. Der florierende Waidhandel zwischen Thüringen und Breslau war eine wesentliche Quelle des Reichtums der Görlitzer Kaufleute des Mittelalters. Auch die Nutzung von bestimmten Handelswegen war klar geregelt und führte immer wieder zu Auseinandersetzungen. Karl IV. verfügte zu Gunsten von Görlitz, dass alle in Ost-West-Richtung reisenden Kaufleute, welche das Einflussgebiet der Stadt Görlitz kreuzten, auch durch diese Stadt ziehen mussten. Eine weitere Grundlage für die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Görlitz bildete die Herstellung und der Handel von Tuchen. In der Mitte des 15. Jahrhunderts arbeiteten in Görlitz 126 Tuchmachermeister. Bis zum Jahr 1527 stieg diese Zahl auf 265. Im Gegensatz zu Bautzen, Löbau und Kamenz war die Tuchproduktion von Görlitz exportorientiert, begünstigt durch die direkte Lage an der via regia, einer der wichtigen Handelsstraßen, die den Westen Europas mit dem Osten verband.