Reformation und Gegenreformation

In die letzte Phase dieser Entwicklung fiel auch der Beginn der Reformationszeit, eingeleitet durch die 95 Thesen Luthers vom 31. Oktober 1517.

Die Thesen Luthers (1483-1546) verbreiteten sich sehr schnell. Bereits Ende 1517 waren Drucke in Leipzig, Nürnberg und Basel im Umlauf. 1521 begann Franz Rotbart, seit 1520 Pfarrer der Peterskirche, öffentlich die neue Lehre zu vertreten. Die offizielle Anerkennung der Lutherischen Lehre durch den Görlitzer Rat folgte dann 1525, nachdem sich der Konvent der Erzpriester von Görlitz, Reichenbach und Seidenberg von der katholischen Kirche losgesagt hatte. Nacheinander folgen die anderen Städte der Oberlausitz dieser Entwicklung. Direkte Auswirkungen hatten diese Entscheidungen auf die Klöster der Städte. Nachdem die Zuwendungen der Bevölkerung für die Mönche rapide abnahmen, verließen diese die Region. Die Klosteranlagen wurden in der Regel den jeweiligen Räten der Städte übergeben, in Görlitz 1564 unter der Maßgabe, ein Gymnasium in den Räumlichkeiten einzurichten. Bereits seit 1458 betrieben die Görlitzer Franziskaner hier eine Klosterschule. Diese Schultradition lebt übrigens bis heute an dieser Stelle, wenngleich auch nicht mehr im selben Gebäude, fort. Der heutige Schulbau steht zwar auf dem ehemaligen Klostergelände, wurde aber erst im 19. Jahrhundert errichtet.

Von einschneidender Bedeutung in der Geschichte der Stadt Görlitz und der Oberlausitz waren die Ereignisse der Jahre 1546/47, der sog. Pönfall. Kaiser Karl V. eröffnete 1546 den Schmalkaldischen Krieg mit der Verhängung der Reichsacht gegen Philipp von Hessen und Johann Friedrich von Sachsen. Ferdinand I., böhmischer König und seit 1526 Landesherr der Oberlausitz – und Bruder Karls V., forderte daraufhin von den oberlausitzer Ständen Kriegshilfe, die ihrerseits versuchten, nicht in die Auseinandersetzung hineingezogen zu werden. Ihre nach Ansicht Ferdinands unzureichende Unterstützung bezahlten die Städte im September 1547 mit dem Entzug aller ihrer Privilegien. In den folgenden Jahren konnten die Städte diese schrittweise zurück erwerben. Das Recht auf freie Ratswahl erhielten sie aber erst 1559/61, die Gerichtsbarkeit 1562. Die vorher dominierende Stellung des Sechsstädtebundes blieb aber auf Dauer zu Gunsten der politischen Zentralgewalt beschädigt. Unabhängig von dieser politischen Situation verbreitete sich wie in anderen Teilen Deutschlands auch in der Oberlausitz humanistisches Gedankengut. Zu den herausragenden Namen dieser Epoche in der Stadtgeschichte gehören u.a. der 1540 geborene Bartolomaeus Scultetus und der seit 1599 in Görlitz beheimatete Jakob Böhme. Im Schaffen von Scultetus standen die Mathematik, die Astronomie und die Kartographie im Vordergrund. Die immer noch andauernde Auseinandersetzung zwischen Reformation und Gegenreformation, deren sich anbahnender vorläufiger Höhepunkt (30-jähriger Krieg) und die unmittelbar in diesem Zusammenhang stehenden Lebensumstände dieser Zeit spiegeln sich in dem philosophischen Schaffen Jakob Böhmes wider. Mit dem Ausgang des 30-jährigen Krieges endete die Zugehörigkeit der Oberlausitz, und damit auch der Stadt Görlitz, zu Böhmen. Auf der Grundlage des Prager Friedens von 1635 zwischen dem römisch-deutschen Kaiser und Kursachsen wurde die Oberlausitz im April 1636 durch den so genannten Traditionsrezess in Görlitz dem sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. als erbliches Lehen übergeben. Der Krieg selbst endete für die Oberlausitz erst 1650. Görlitz hatte unter den Wirren des Krieges sehr zu leiden. 1633 wurde die Stadt von den Truppen Wallensteins beschossen und erstürmt. 1648 geriet sie zwischen die Fronten der Schweden auf der einen Seite und der sächsischen und kaiserlichen Truppen auf der anderen. Mit dem Übergang zu Sachsen blieb aber die alte Ständeverfassung der Oberlausitz erhalten, so dass Görlitz für einen erneuten wirtschaftlichen Aufschwung auf ihr wichtigstes Gut weiterhin zurückgreifen konnte, ihren Landbesitz. Die Leinenweberei, welche die Tuchmacherei ablöste, ermöglichte den Görlitzer Kaufleuten im folgenden 18. Jahrhundert wieder ihren gewohnten Wohlstand. Ihre führende Stellung unter den Städten der Oberlausitz hatte die Stadt Görlitz aber verloren.

 

Literatur:

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