Görlitz als kursächsische Stadt

In den folgenden Jahren bis zur Mitte des 18.Jahrhunderts blieb die Stadt von den äußeren Einflüssen nicht verschont. Während des Nordischen Krieges (1700-21) um die Vorherrschaft im Ostseeraum zwischen Sachsen/Polen, Schweden und Russland mussten die oberlausitzer Städte zahlreiche Heereseinquartierungen der durch dieses Gebiet ziehenden Armeen über sich ergehen lassen und deren Ausrüstung und Verpflegung organisieren. Zudem erhöhten sich die Abgaben, welche an den sächsischen Hof gezahlt werden mussten. Neu war die 1705 festgelegte Generalkonsumtionsakzise, eine allgemeine Verbrauchssteuer zu Gunsten Dresdens.

Auch die drei schlesischen Kriege (1740-42, 1744/45, 1756-63 – Siebenjähriger Krieg), in denen sich Preußen bemühte, sein Territorium nach Süden auszudehnen, und der bayerische Erbfolgekrieg 1778, ursprünglich als Auseinandersetzung Sachsens und Österreichs um den bayerischen Thron begonnen, gingen an der Oberlausitz nicht spurlos vorbei. Zudem hatte die Stadt Görlitz mit den Folgen von drei verheerenden Stadtbränden (1691, 1717, 1726) zu kämpfen.

Die der Stadt verbliebenen Einnahmen, insbesondere auch aus Durchgangszöllen für Waren des sächsisch-polnischen Handels, ermöglichten den Bürgern den jeweiligen Wiederaufbau der Stadt. Aus dieser Zeit stammen die meisten der heute noch erhaltenen barocken Bauten. Viele dieser Gebäude verraten einen direkten Dresdner Einfluss, nach 1717 speziell auch durch den Dresdner Baumeister Daniel Pöppelmann. Die repräsentativsten Bauten, die in dieser Zeit entstanden, sind das Barockhaus Neißstr.30 (1726-29), die Börse am Untermarkt (1706-14), das Haus Langenstr. 43 (um 1720) und das Wohnhaus Handwerk 22 (1717).

Im 18.Jahrhundert sind in Görlitz auch die ersten Vorboten der Aufklärung zu beobachten. 1727 kam die Stadt Görlitz testamentarisch in den Besitz der wissenschaftlichen Sammlung des Schweidnitzer Juristen Johann Gottlieb Milich, zu der auch ein umfangreicher Bestand an Büchern und Kupferstichen gehörte. Diese Sammlung wurde damals mit dem verbliebenen Bestand der ehemaligen Klosterbibliothek vereint und kann heute, nachdem sie nacheinander erst im Rathaus, dann in der Börse am Untermarkt untergebracht war, im Barockhaus Neißstr.30 bewundert und natürlich auch genutzt werden. Auf Anregung des Görlitzer Amtsadvokaten Karl Gottlieb Anton (1744) entsteht 1779 die noch heute aktive Oberlausitzsche Gesellschaft der Wissenschaften und wird in der Folgezeit zu einem Mittelpunkt der Aufklärung in der Oberlausitz. Der sich abzeichnende wirtschaftliche und kulturelle Aufschwung wurde durch die kriegerischen Auseinandersetzungen des beginnenden 19. Jahrhunderts bereits wieder unterbrochen. Nach der verlorenen Schlacht gegen Napoleon bei Jena und Auerstedt (1806) – Sachsen kämpfte an der Seite von Preußen – musste Sachsen dem Rheinbund beitreten. Wegen dieser Abhängigkeiten wurde Sachsen, und damit auch die Oberlausitz, bereits 3 Jahre später in einen Krieg mit Österreich verwickelt. Nach dem verlorenen Russlandfeldzug Napoleons kam es in der Nähe von Bautzen zu einem Aufeinandertreffen der verbündeten preußisch-russischen und der napoleonischen Armee.

Obwohl selbst nicht umkämpft, litt auch Görlitz unter dieser Situation. Innerhalb eines einzigen Jahres musste Görlitz 30 Truppendurchmärsche der einen oder der anderen kämpfenden Seite ertragen. Da Sachsen während der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 auf der Seite Frankreichs kämpfte, zählte es zu den Verlierern der Auseinandersetzung und musste bei der territorialen Neuordnung Europas im Ergebnis der Verhandlungen des Wiener Kongresses erhebliche Verluste in Kauf nehmen. Die östliche Oberlausitz wurde preußisch und von dem preußischen König dem Regierungsbezirk Liegnitz (Schlesien) zugeordnet. Damit begann 1815 die preußische und zugleich schlesische Geschichte der Stadt Görlitz.

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