Anfänge der Stadtentwicklung

Die erste schriftliche Erwähnung von Görlitz findet sich 1071 in einer Urkunde, mit der Heinrich IV. dem Hochstift Meißen acht Königshufen schenkte. Heinrich IV. hielt sich zu dieser Zeit in Meißen auf, um in einem Streit zwischen polnischen und böhmischen Herzögen, schlesische Gebietsansprüche betreffend, zu vermitteln.

Der Name der damaligen Siedlung, Goreliz, leitet sich von dem slawischen Wort „zgoreti“ ab, welches so viel wie ausbrennen bedeutet.

Die Region selbst, für die seit dem 16. Jahrhundert der Name Oberlausitz gebraucht wird, diente aber bereits viel früher slawischen Stämmen als Siedlungsgebiet. Auf der vermutlich zum Zwecke der Missionierung bereits Ende des 9. Jahrhunderts entstandenen Völkertafel des so genannten Baierischen Geographen werden die Milzane mit 30 Burgen (civitates) erwähnt. Siedlungszentrum der Milzener war Milza bzw. Milska (Bautzen). Die in der oben genannten Völkertafel mit 2 Burgen (civitates) aufgeführten Bezunzane wurden von Historikern dem Gebiet um Görlitz zugeordnet.

Das Jahr 1075 ist ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Entwicklung der Oberlausitz. Heinrich IV. belehnte in diesem Jahr den böhmischen Herzog Vratislav auf alle Zeit (in perpetuum) mit den provinciae Budissin et Lusatiae und schuf damit die Grundlage für einen lang andauernden böhmischen Einfluss auf dieses Gebiet. Die folgenden 200 Jahre waren von einer Reihe wechselnder Herrschaften geprägt. Mitte des 13. Jahrhunderts, nach dem Tod des böhmischen Königs Wenzel I. im Jahr 1253, fiel die Oberlausitz, vermutlich wegen der Heirat einer Tochter Wenzels mit Otto II. von Brandenburg, an die Askanier. Die Erbansprüche Böhmens auf die Oberlausitz scheinen aber nicht aufgegeben, denn bereits 1319 wurden Bautzen und Kamenz, 1329 Görlitz und Zittau (nach 10-jähriger Verpfändung an den schlesischen Herzog Heinrich) wieder böhmisch.

Die Amtsgeschäfte der jeweiligen Landesherren, der böhmischen wie der brandenburgischen, wurden in der Oberlausitz durch Landvogte geregelt, die der Landesherr aus dem eigenen Adelsstand auswählte und einsetzte. Da diese fremden Landvogte sich aber selten längere Zeit in der Oberlausitz aufhielten, wurden wesentliche Teile der Amtgeschäfte an den einheimischen Adel weitergegeben. Dies erlaubte wiederum den hiesigen Ständen eine sehr freie und eigenständige Entwicklung, die entsprechend deklarierte Anerkennung und Huldigung des jeweiligen Landesherrn vorausgesetzt.