Weinberg

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Der Weinberg oder wie es 1779 heißt: Die Weinberge. Sie lagen östlich und westlich der Zittauer Chaussee, jetzt haftet der Name nur auf dem östlichen Teile. Zwar war das Gelände nicht bebaut, es findet sich aber in den Quellen öfter verzeichnet, weil hier die Straße nach Zittau seit alter Zeit wegen des abschüssigen und leicht kotigen Geländes oft einer Besserung bedurfte und weil die Wiesen unterhalb des Weinberges auf Leschwitzer Gelände nicht nur Leuten aus Görlitz, sondern auch Rittergutsbesitzern aus ziemlich weiter Umgebung gehörten und wiederholt von einer Hand in die andere gingen ). Schon die älteste Erwähnung aus dem Jahre 1379 spricht von Besserung der Straße daselbst. 1380 räumt man den Schnee weg, 1398 bringt man auf 4 Wagen Tannenreis aus dem Lichtenberger Walde zu den Pfützen bei dem Weinberge ). Die Chroniken erwähnen auch unter einem unsicheren Jahre des 16. Jahrhunderts eine Kapelle am Weinberge an der Zittauer Chaussee, die einer von Uechtritz zur Sühne eines Brudermordes dort errichtete ). Ein anderer Gedenkstein soll an die beiden Schlossergesellen Fritz und Robert erinnern, von denen der eine den anderen erschlug ), Beide Denkmäler sind verschwunden. Der ostwärts der Straße noch jetzt stehende Stein in der Tiefe ist wohl ein alter, zur Chaussee gehörender Grenz- oder Malstein. 1425 zerschlugen die Hussiten eine Marter am Weinberg, d.h. ein Bild des gemarterten Christus ). 1680 wurden wohl an der Weinlache in der Schlucht zwei Pesthäuser errichtet ). 1450 wird eine Wiese unter dem Weinberge in dem Grunde nahe der Kapelle erwähnt. 1436 gibt es einen Acker an dem Weinberge gegenüber dem steinernen Kreuze ). Der südliche Abhang des Weinberges gehörte bis etwa 1885 zu dem Dominium Leschwitz. 1863 ließ der damalige Besitzer von Leschwitz Demisch eine Seidenraupenzucht mit einem Gebäude (abgebrochen um 1930) errichten. Von ihm kaufte die Stadt das Gelände, ließ die an der Ostseite kahlen Abhänge bepflanzen, errichtete das Weinberghaus 1889/90 und ließ einen Turm, der auf dem Ausstellungsgelände von 1885 stehen geblieben war (an der Stelle der heutigen Volkslesehalle), hierher versetzen.