Weberstraße

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Um 1330 findet sich dafür der Name Gewandmachergasse ), 1433 der lateinische Name platea lanificum, um 1430 ) heißt die nördliche Webergasse das kleine Gäßlein zwischen Rinkengießer (jetzt Untermarkt 1) und der Bleckerin (jetzt Neißgasse 30), kleines Gäßchen deshalb, weil es bis 1853 nur 15 Fuß breit war. Nach dem verlorenen Geschoßbuche 1403 hat die Webergasse 33 Wirte. Die Gasse hatte im Süden an der Stadtmauer in früheren Zeiten keinen Ausgang, erst 1568 wurde die „(Neue) Pforte, dadurch man auch auf den Rahmhof und durch die Kahle auf die Viehweide geht, erstlich eröffnet und man machte eine schmale Brücke über den Graben )“. Die Gasse war also bis 1568 und darüber hinaus eine Nebengasse. 1769 wurde an der Pforte statt der hölzernen eine Steinbrücke gebaut, 1792 die ganze Anlage „erweitert und verziert“, 1845 erfolgte ein Abbruch und die Anlegung einer neuen Brücke und eines neuen offenen Tores, so daß man von hier aus den schönsten Eingang gewann. 1853/54 fiel die ganze Wehranlage.

Pforte.

Die vier Tore waren ursprünglich die einzigen Stellen, wo man aus der Stadt heraus und in die Stadt hinein fahren und gehen konnte. Schon frühe machte sich das Bedürfnis geltend, im Südosten, am Ausgang der Webergasse eine neue Öffnung wenigstens für den Fußverkehr zu schaffen.

Die Viehweide (Park) und die Schützenhäuser konnten für die Mehrzahl der Einwohner eben nur mit großem Umwege durch das Frauentor erreicht werden. So findet man denn schon 1427 eine „neue Pforte“ in der Webergasse und 1431 eine Pforte bei der Webergasse ). Sie ist noch 1470 erwähnt ), wird aber dann geschlossen. Denn 1568, am 5. Juni, hat man nach eingeholter kaiserlicher Erlaubnis die neue Pforte, dadurch man auf den Rahmenhof und durch die Kahle auf die Viehweide gehet, erstlich eröffnet und eine schmale Brücke über den Graben gemacht ). Für das weitere Gäßchen nach der Kable zu erwarb der Rat Gelände. Vornehmlich hatten die Herren Schützen sich für die Öffnung eingesetzt, deren Zielstätten so leichter erreicht werden konnten. Wo man die Mauern durchbrach, stand schon 1377 und 1393 ein Weighaus, zu dem man auf einer Treppe aus der Webergasse stieg ). 1488 hieß die Bastei Hoesattels Bastei ). —

Auf der Karte von 1641 ist vor dem Mauerturme noch eine ziemlich starke Bastei im äußeren Graben zu sehen, so auch auf der Daniel Petzoldschen Karte um 1714. 1756 wurde westlich von ihr eine Maulbeerplantage angelegt. 1769 die hölzerne Brücke durch eine steinerne ersetzt. 1792 die Pforte erweitert und verziert. Aus dieser Zeit gibt es Abbildungen. Den Zustand von 1842 bildete Fr. Thieme ab ). Man las dort auch die Inschrift: Portam nimis olim angustam ac vetustam deformem amplificavit, refecit, ornavit senatus a. 1793 (Die einst allzu enge und alte unförmliche Pforte erweiterte, stellte wieder her und schmückte der Rat).

1845 ) wurde die alte Pforte weggerissen, auf ihren Trümmern eine Brücke über den Stadtgraben gewölbt und ein neues offenes Tor mit einer breiten Durchfahrt gebaut. Die Ressource und Kommerzienrat Gevers traten damals ein bedeutendes Stück von ihren Gärten für den Weg nach Süden ab. 1853 und 1854 geschah der Abbruch des erst 1845 erbauten Pfortentores und der Stadtmauer daselbst und eine Ausfüllung des Grabens. Der dadurch frei gewordene Platz hieß zuerst Bankplatz ).

 

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