Vorstadt östlich der Neiße (Zgorzelec)

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Die Vorstadt rechts der Neiße ).

Durch diese Vorstadt wurde, abgesehen von dem Nahverkehr der reichen Dörfer rechts der Neiße, der Fernverkehr mit Schönberg, Seidenberg, Friedland, Reichenberg, Prag, Breslau, Bunzlau, Lauban, Sagan usw. vermittelt. Da die Altstadtbrücke bis 1875 der einzige Übergangspunkt für schwere Fuhren weit und breit war, so hatte die Vorstadt einen bedeutenden Fuß- und Wagenverkehr, der durch den Ausbau der Wege zu Chausseen seit 1830 ff. mächtig gefördert wurde; die Erbauung der Eisenbahn 1847 bewirkte einen Rückgang; ebenso verschob einen großen Teil des Verkehrs die Eröffnung der Reichenberger Brücke 1875.

Die zusammenhängende Siedlung dieser Vorstadt bestand nur aus wenigen Straßen. Sie litten oft an Wassermangel, dem erst 1845 durch eine Überleitung des Wassers über die Neiße und später durch das Wasserwerk auf den Leschwitzer Wiesen (seit 1878) ganz abgeholfen wurde. Die erste Erweiterung des Stadtteils geschah in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts durch Anlage der Laubaner Straße. Die zweite etwas vor 1522 durch Anlage des Neustädtchens. Die dritte Erweiterung um Stadt Prag wurde bedingt durch die Erbauung der Reichenberger Brücke (1875) und Ankauf des Restvorwerkes an der Reichenberger Brücke (Kühnemann) 1885. Die vierte begann 1910 durch Besiedelung des Rabenberges, als die Stadt das Lorenzsche und das Rothmannsche Vorwerk abgekauft hatte. Die Wirtschaftsgebäude der letztgenannten zwei Vorwerke wurden zu Wohnhäusern ausgebaut (um 1920). Feuersbrünste finden sich in den geschlossenen Häusergruppen des rechten Neißeufers 1525, 1726, 1807, 1811 ). Im Krieg von 1813 hatten die dortigen Bewohner, da die Neißebrücke ein Hauptübergangspunkt war, viel zu leiden, ebenso schon früher in der Belagerung 1641 und im Hussitenkriege.

Töpferberg. Er wird zuerst um 1328 erwähnt ). Seine Ausdehnung, die 1933 nur 12 Häuser umfaßt, muß früher viel größer gewesen sein, denn 1403 zählte man nicht weniger als 57 Wirte, worunter sich ein Bäckerhaus, der Müller zu Kleppelswalde, der Walker, der Spittelschmied ) befinden. Die ganze Gegend an der jetzigen Breslauer Straße scheint ursprünglich den Namen Töpferberg zu führen ), woher es auch kommt, daß von einem Steinwege und Besserung der Straße auf dem Töpferberg die Rede ist ). Auf der anderen Seite gehörte noch 1599 der hintere Ausgang des Jakob-Böhme-Hauses Prager Straße 12 (773) zum Töpferberg ). 1440 läßt Peter Leugner dem Meister Bertold, dem Töpfer, das Töpferhaus auf dem Töpferberge auf ), und Bertold Töpfer verkauft dasselbe Töpferhaus, auf dem Töpferberge gelegen, dem Töpfer Andreas Reyntsch 1442 ).

1365 wird ein Vorwerk daselbst genannt ). 1488 brannten die Böhmen, die dem Herzog Hans in Glogau zu Hilfe kommen wollten, ein neuerbautes Vorwerk unterhalb des Töpferberges ab, das damals Albrecht Sporn ) gehörte, jetzt Stadt Breslau ). 1432 und 1433 werden Truppen erwähnt, die zur Wehr auf dem Töpferberge gegen die Ketzer stehen ). 1541 fand ich hier die merkwürdige Bezeichnung Schindeplan ) oder Töpferberg ). Ein Tor uff dem Schindeplan wird 1454 ), ein Garten uffm Schindeplan 1459 erwähnt ), ebenso 1481 ein Haus auf dem Schindeplan ).Die Stadt bezieht 1508 Zins von dem Hobel (Hübel) bey dem Schindeplan ).

1400 liest man von einer Brücke auf dem Töpferberge, als man fährt nach Kleppelswalde ). 1522 werden die Neuhäuser an der Neiße unter Hans Seiboths (jetzt Rothmanns) Vorwerk am Berge zwischen dem Töpferberg und der Rabengasse genannt, die in der Stadtfreiheit liegen und dem Vorwerke nicht zu zinsen haben, sondern dem Rate ); es weist das auf die Entstehung des Neustädtchens hin. 1516 wird der steinernen Kapelle auf der Höhe auf dem Töpferberge (Töppenberg) gedacht ). 1569 hat Jacob Urban ) 10 „Rosmaringärten“ ausgesetzt und zu den Häusern auf dem Töpferberg hinten zu verkauft ). -

1827 und später geschah nach dem 1824 erfolgten Abbruche der Bastei bei der Dreiradenmühle und dem Abbruche der Nagelschmiede und des Spritzenhauses die Planierung des jetzigen Töpferberges, die Anlage der Futtermauer und der Granittreppen und der Einbau des ganz massiven Spritzenhauses in den Berg. Das Spritzenhaus wurde, seitdem 1845 die Wasserleitung vom linken Neißeufer übergeführt war, zu einem Wasserbehälter umgewandelt, der jetzt noch steht. 1826 wurde der Postmeilenstein, der seit 1725 auf der Straße vor dem Töpferberge gestanden hatte, auf den Berg gesetzt, wo er noch jetzt zu sehen ist.