Vogtshof

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Vogtshof, später Zuchthaus.

Vor Entstehung der Stadt lag in dieser Gegend ein Castrum oder Burgberg ), ein Name, der sich auch weiterhin bis über die Mitte des 15. Jahrhunderts nachweisen läßt ). Neben ihm, wohl an der Stelle des noch jetzt stehenden Waidhauses, stand ein Gutshof, auf dessen Flur die älteste Stadt erbaut wurde. Wohl 1268, als die Stadt Görlitz Sitz der Verwaltung der östlichen Oberlausitz wurde, hat man nördlich der Peterskirche eine feste Wohnung für den obersten landesherrlichen Beamten erbaut, der freilich, als die Oberlausitz wieder seit 1329 eine Einheit bildete, meist auf der Ortenburg in Bautzen residierte. Dieses castrum wird auch einfach Hof, 1327 des Herzogen (Heinrich von Jauer) Hof genannt; zwei Jahre später gebraucht Johann von Böhmen die Worte: „Unser Vogt in unserem Hofe zu Görlitz.“

Hier in des Vogtes Hof oder Vogtes Haus war auch der Sitz des fiskalischen Beamten, der dem Landvogte nachgeordnet war, des Amtshauptmanns; hier tagten auch die Landstände des Kreises Görlitz. Durch den Stadtbrand von 1456 wurde das Gebäude zerstört. Man richtete danach bloß ein paar Zimmer für Verwaltung und Gericht ein. Am 20. Oktober 1567 überreichte nun der Kaiser Maximilian dem Görlitzer Rate auf seine Bitte den lange Zeit wüsten und unbewohnten Vogtshof zur Erbauung eines Getreide- und Schütthauses unter der Bedingung, daß die nötigen Zimmer für Land- und Hofgericht eingerichtet wurden; 1572 kam auch die Bauhütte, so vorher bei der Kirche gewesen, in den Vogtshof ).

Noch 1791 wurde hauptsächlich auf städtische Kosten das ständische Verwaltungszimmer und das Archiv neu eingerichtet. 1811 kauften sodann die Oberlausitzischen Stände des Kreises Görlitz den Vogtshof samt dem Schlößchen (siehe unten) und dem Zwinger der Stadt für 9900 Taler ab, um dort ein Zucht- und Arbeitshaus zu erbauen. Die Kriegsjahre ließen den Bau, der schon begonnen war, nicht weiter gehen. 1826 wurde weiterhin der Vogtshof für die Summe von 25 000 Taler von der Regierung erworben und der Bau des Zuchthauses in der folgenden Zeit beendet. 1848 am 27./28. Mai brannte der nördliche Flügel, am 7. November desselben Jahres der Flügel am Schlößchen ab, 1849 geschah die Verlegung des Gottesdienstes aus dem östlichen in den südlichen Flügel. 1928 kaufte die Stadt das Zuchthaus, das ausgehoben wurde, wieder an sich.

Zu trennen ist zunächst vom Vogtshofe

Das Schlößchen oder Landhaus,

jetzt mit der Nr. 7 (312) des Stadtteiles „Bei der Peterskirche“ bezeichnet. 1853 wurde von den Landständen, die bis dahin ihre Versammlungen dort gehalten hatten, das Gebäude an den Fiskus verkauft, der es zum Zuchthaus schlug. Das Schlößchen hat eine reiche Geschichte. Neuerdings ist durch eine scharfsinnige Untersuchung festgestellt, daß in ihm die älteste Görlitzer Schule gewesen ist. Sie ist 1460 bezeichnet als eine Wohnung auf dem Peterskirchhofe, die alte Schule genannt. 1447 wurde die Schule in das jetzige Waidhaus verlegt (siehe unten S. 486). Das alte Schulhaus baute man 1459 für den verdienten, hochbetagten Bürgermeister Gregor Selige als Altersheim aus (er wird zuletzt als ältester Schöppe im Ratscollegium am 1. Oktober 1474 im Kürbuch erwähnt, und er wird bald darauf gestorben sein ) ), wie denn auch 1484 das Haus zu gleichem Zwecke dem ebenfalls tüchtigen Bürgermeister Seifried Goswin zugewiesen wurde, der freilich schon am 2. Oktober 1484 starb ).

1564 kaufte das Haus dem Rate ein bewährter Kriegsmann Jacob v. Hag ab. Er baute das Gebäude aus (vollendet 1571). Seit dieser Zeit kommt der Name Schlößchen auf ). Hag, vorher Hauptmann auf dem Oybin und auch Besitzer eines Teiles von Horka und des Dorfes Lichtenberg, behielt das Haus bis 1578, wo es der Rat, der sich das Vorkaufsrecht ausbedungen hatte, zurücknahm. Eine weitläufige Inschrift auf Hag ist noch jetzt auf einem Stein im Hofe des Vogtshofes zu finden, abgedruckt in Großers Laus. Merkwürdigkeiten I.
S. 215 f. Das Schlößchen kam dann 1579 in die Hände des Görlitzer Bürgermeisters Sebastian Hoffmann, der es 1582 an den Ritter Späth (gest. 1589) abgab (Über die Beerdigung Friedrichs v. Späth siehe die eben angegebene Stelle bei Großer). Dessen Erben veräußerten es an Friedrich von Salza, von dessen Bruder und Erben Hiob von Salza auf Ebersbach es der Görlitzer Rat 1609 wieder erwarb. Dieser ist dann bis 1811 Besitzer. Er richtete es für eine Wohnung seiner Syndici ein. So wohnten hier die Syndici Heinrich Peter Haberkorn aus Kamenz bis 1688, Andreas Meirich (gest. 1703), 1725 Dr. Daniel Riech, 1750 Gottfried Michael Bellmann, dann Johann Gottlob Modrach, 1775 Dr. Erdmann Gottlieb Hartmann, Stadtrichter König, Gösing, Samuel Straphinus ). Die Stände, die es mit dem Vogtshof 1816 der Stadt abkauften, bauten 1827 das Schlößchen zum Landhause um und tagten bis 1853 hier und bezogen 1854 ihr neuerbautes Ständehaus an der Promenade.

„Hinter dem Vogtshofe“, vielleicht allerdings schon vor der Mauer, lag der Hundsberg. Die erste Erwähnung fand ich 1371: Garten, der da heißt der Hundisperg. 1382 gab es eine Färbestube und eine Meisterei am Hundisberge - Färbestube und Meisterei (Fabrik) lagen doch wohl in der Hotergasse -, 1411 ein Haus auf dem Huntberge ), 1413 wird Gartenzins auf dem Huntberge eingenommen  ). Als 1428 und 1429 in der höchsten Not die Befestigungsanlagen verstärkt werden mußten, wurden die Häuser auf dem Hundisberge geräumt, dort gegraben, Erde weggeführt, an den Kellern daselbst gebrochen ).  Spätere Erwähnungen habe ich nicht gefunden.

 

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