Verrätergasse

Die Görlitzer Verrätergasse verbindet den Obermarkt mit der Langenstraße und bekam ihren Namen im Zusammenhang mit einem Ereignis der Stadtgeschichte. 1525 noch durch einen Stadtbrand zurückgehalten, fanden sich die Görlitzer Tuchmacher 2 Jahre später erneut zusammen, um sich gegen den Rat zu erheben.

Ausgangspunkt war ein Haus in der heute nach diesem Ereignis benannten Verrätergasse, dessen Tor noch immer die Inschrift DVRT (Der Verräterischen Rotte Tor) trägt. Der Plan der Tuchmacher wurde aber verraten, sodass der Rat Gelegenheit hatte, die Turmuhr des Mönchs (Dreifaltigkeitskirche) um sieben Minuten zu verstellen und die „Aufrührer“ den vorsorglich verstärkten Wachen des Rates in die Hände liefen. Der Aufstand endete blutig. 9 der Aufständischen wurden hingerichtet, 14 eingekerkert und 25 ausgewiesen.

Der Tuchmacheraufstand im Jahr 1527 entwickelte sich vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen im gesamten deutschen Sprachraum. Dazu gehört der zunehmende Einfluss humanistischer Bestrebungen und die von Luther eingeleitete Reformation, wie auch die inzwischen entdeckten neuen Seewege, welche die Struktur des europäischen Handels vollständig änderten, aber auch die in den letzten Jahrzehnten immer größer gewordenen Abhängigkeiten der Handwerker von ihren Auftraggebern, den Kaufleuten.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Verrätergasse

hat nur Seiten- und Hinterhäuser vom Obermarkt und der Langengasse. Hier ist am Hinterhause Langenstraße 12 (162) der Eingang zu sehen, durch den die dich empörenden Tuchmacher 1527 verstohlen schlüpften, mit den Buchstaben D. V. R. T. (Der verräterischen Rotte Tür), s. oben S. 298. -> (Tuchmacheraufstand 1527)