Untermarkt - Zeile

Die Häusergruppe im Zentrum des Görlitzer Untermarktes wird bereits seit dem 14. Jahrhundert die „Zeile“ genannt. Durch diesen Häuserblock verlief in Ost-West-Richtung ein Durchgang, der in seinen Resten die vielen Umbauten überlebte und noch heute erkennbar ist. Dieser Durchgang diente ursprünglich als Zugang für die Läden der Krämer der südlichen Seite der Zeile, die hier mit Seide und Gewürzen handelten. Auch an der Nordseite der Zeile wurde gehandelt, hier standen u.a. die Brot- und Schuhbänke, die Fisch- und Heringsbuden.

Die ersten Erwähnungen eines Markthauses an dieser Stelle stammen bereits aus den Jahren 1301 und 1332.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934

Der Häuserblock in der Mitte hieß noch im 14. Jahrhundert die Zeile ), öfter wird damals die Mittelzil erwähnt. Der Name ist leider schon im 15. Jahrhundert verschwunden. Durch diesen Häuserblock ging ein „Durchgang“, noch heute sind trotz des Umbaues Spuren vorhanden. Von diesem Gange waren ursprünglich die Läden der südlichen Krämer zugänglich. Später wurden die südlichen Häuser des Blocks nach dem Brunnen zu geöffnet ). Auf dieser Südseite hatten nämlich die neun  ) Reichkramer, auch Würz- und Seidenkramer genannt, ihre Verkaufsstellen; gewohnt haben diese meist wohlhabenden Leute gewöhnlich anderwärts ).

Auf der nördlichen Seite standen seit 1511 die Pudritz-(KIein-)krämer oder Spitzkrämer; erst 1671 wurde ihnen gestattet, auch an andern Orten der Stadt ihre Verkaufsstellen zu haben ). Der Name Pudritzkrämer ist erst seit 1511 aufgekommen; bis dahin hatten die Spitzkrämer unter den Lauben feil gehabt, jetzt wurden sie mit den Beutlern auf den neuerbauten Gang über den Fischbuden hinaufgewiesen ). Sie standen nunmehr über den Pudritzen, d.h. laubenartigen Bögen ). An der Nordseite der Zeile befanden sich auch die Brot- und Schuhbänke, Fisch- und Heringsbuden, in den ältesten Zeiten auch die Apotheke  ). Schon 1301 und 1332 wird ein Markthaus, welches die Krämer innen und außen bewohnen, erwähnt ).

Die Pudritzen und die anderen Verkaufsstellen, die mehr oder minder aus Fachwerk und Holz bestanden, wurden 1706 abgerissen und das jetzt noch stehende Verwaltungsgebäude gebaut, das als Neues Kaufhaus, Neues Haus, Börse, Kommissionshaus bezeichnet wird; hier hielten die „Herren Kaufleute wöchentlich ihre Convente“; 1714 wurde in diesem Kaufhause das Portal eingestellt und die Wappen der vier Bürgermeister Nicius, Knorr von Rosenroth, Moller von Mollerstein und Pauli angebracht; 1784, als die Milichsche Bibliothek dorthin übergeführt war, geschah an dem Portal oben eine Veränderung; 1822 bis 1865 diente das Haus als Gerichts-, später als Polizeigebäude.-

Die südlichen Häuser Nr. 10, 11, 12, 13 waren ursprünglich noch weiter geteilt und bestanden in alten Zeiten mindestens aus noch drei, vor 1675 wahrscheinlich noch aus zwei Häusern, so daß die in den Geschoßbüchern aufgeführten neun Reichkramer dort ihre Stelle fanden. In den Nummern 10, 11 und 12 wurden leider um 1850 vorspringende Säulen, zweifelsohne aus der Renaissancezeit, vermauert. Nr. 12 trägt im ersten und zweiten Stock einen flachen, streng und schön gegliederten Vorbau mit eindrucksvollen Säulen aus der frühsten Renaissancezeit, worauf die Jahreszahl im vierten Geschoß 1526 hinweist, im dritten Geschoß ladet ein Balkon aus dem Jahre 1878 aus. 1775 war der Besitzer der Kaufmann Christian Gottlob Großmann (gest. 1798). - Nr. 13 ist im wesentlichen aus der Barockzeit, und zwar aus der Zeit um 1725, wo das Haus auf vier Geschoß über dem Erdgeschoß erhöht und mit einem Dachausbau versehen wurde. Oben sieht man einen gegitterten, geschweiften Balkon, getragen von fünf kraft- und kunstvoll gehauenen Kragsteinen, auf deren mittelsten der damalige Besitzer, der Seidenkrämerälteste P. Christian Hilliger (gest. 1753) aus Schneeberg, sein Wappen anbringen ließ.