Untermarkt 8 (Haupteingang Rathaus)

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Untermarkt 8, südliche Ecke der Langengasse, ist schon oben als dreimal im städtischen Besitze erwähnt. Seit 1847 gehört es der Stadt für immer. Es hat, ohne daß der alte Aufbau in seiner Wirkung litt, bei der Rathauserweiterung ein neues Stockwerk nach oben erhalten. Das Portal von 1556 ist nachträglich willkürlich hineingesetzt. Von den persönlichen Besitzern seien genannt: Hans Schwarze, gemeinhin Schwarzhans geheißen, ein begüterter Mann, der 1511 in eine Schlägerei verwickelt war; Joachim Schmidt von Schmiedebach auf Köslitz und Hennersdorf, Sohra und Sohrneundorf und Kleinneundorf, der viermal das Bürgermeisteramt bekleidete und 1587 starb. Sein Besitznachfolger war Servatius Rademann auf Sohra, der einen großen messingischen Leuchter in die Peterskirche stiftete und 1603 starb. 1631 und 1632 wohnte in dem städtischen Hause der Syndikus Dr. Paul Scipio. Franz Förster, welcher der Stadt dieses Münzhaus 1634 abkaufte, war viermal Bürgermeister und starb 1648. Er ließ sich 1624 nobilitieren. Durch Erbschaft ging das Haus 1708 in die Hände der Familie Gehler über, die es bis 1775 innehatte, wo es ebenfalls durch Erbschaft in die Hände des Hoforganisten David Traugott Nicolai kam, der hochberühmt als vorzüglicher Orgelspieler seiner Zeit war; er war auch ein geschickter Mechaniker, der Modelle vom Görlitzer Ratsturme, dem Heiligen Grabe und der Peterskirche herstellte und den Griffel für Kupferstiche geschickt gebrauchte. Er starb 1799. Der ihm folgende Besitzer Friedrich Gotthold Moser verlegte die sogenannte niedere Garküche aus dem Hause Untermarkt 15 hierher.