Untermarkt 5 (Frenzelhof)

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Das Gebäude Untermarkt 5 „Frenzelhof“ ist eines der bedeutendsten Hallenhäuser der Görlitzer Altstadt. Es wurde von Hans Frenzel, einem reichen Görlitzer Kaufmann, dem auch der Bau der Annenkapelle zu verdanken ist, errichtet. Heute mischen sich hier Gotik, Renaissance und Barock.
Über den beiden Spitzbogenarkaden mit ihren barocken Kreuzgratgewölben entwickelt sich eine schlichte spätbarocke Fassade, welche durch einen flachen Mittelrisalit gegliedert wird.
Der Eingangsbereich des Hauses unter den Lauben wird durch ein spätgotisches Portal mit reicher Stäbung und zwei daneben liegenden, ebenfalls gotischen Fenster bestimmt.

Görlitz Untermarkt 5 Frenzelhof Portal 08.03.2011 Görlitz Untermarkt 5 Frenzelhof 19.03.2011

Görlitz Untermarkt 5 Frenzelhof Hof Vorhangbogenfenster 07.10.2011

Im Inneren des Hauses, an der Rückwand der Erdgeschosshalle befindet sich eine spätgotische Maßwerkbrüstung. Im 2. Obergeschoss der Zentralhalle blieb ein gotisches Fenster erhalten.

In der kleinen Nebenhalle, dem ehemaligen Treppenhaus, können zwei Torsi (Maria und Johannes der Täufer) der ehemals 3 Giebelfiguren besichtigt werden (1500). Seitlich der Zentralhalle in Richtung Osten befindet sich ein vollständig ausgemaltes Spitztonnengewölbe mit einem gotischen Vorhangbogenfenster zum Hof, die Hauskapelle der Familie Frenzel.

Die Wandmalerei aus den Jahren 1510-1515 beschreibt die Anbetung des Christuskindes durch die Heiligen Drei Könige, Onophrius, Mondsichelmadonna, die “Heilige Sippe”, Christophorus und weitere Darstellungen von Heiligen. Das Gewölbenetz mit Phantasieblumen in dessen blauen Feldern ist ebenfalls aufgemalt. Im unteren Teil der Bemalung sind zu erkennen: Blumen, Früchte, Gefäße und diverse Tuche. Die letzte Restaurierung der Malerei begann im November 1990. Sie umfasst im Wesentlichen folgende Maßnahmen: Erstrestaurierung (Bearbeitung alter Retuschen und Konservierungsmittel), Konservierung ( Festigung der Malschichten), Restaurierung (Putzergänzungen, Reinigung, Grundierungen von Fehlstellen, Retuschen).
Hofseitig findet sich ein Renaissancesaal mit ornamental reich bemalter Holzbalkendecke.

 

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Nicht minder fesselt das Nachbarhaus   Nr. 5. Freilich ist der gotische dreieckige Giebel nach der Straße um 1790 gefallen; er trug neben anderem kostbaren gotischen Zierat die Figuren der Maria mit dem Kinde, Georg mit dem Drachen und Joachim, die in trauriger Weise verstreut und zertrümmert wurden. Wir wissen, daß das Haus genau 1500 erbaut wurde; der Baustil dieser Zeit zeigt sich noch deutlich am Portal und am Innenschmuck. Große Keller und gewölbte Räume, eine geräumige Flurhalle im Obergeschoß, von malerischen Gängen umzogen, erregen unsere Bewunderung. Ein Raum ist mit flott gezeichnetem Blumenschmuck und frei flatternden Bändern überzogen. Neuerdings zeigte sich auch hier ein Freskobild, die Anbetung der drei Könige. Das Haus ist von dem reichen Großkaufmann Hans Frenzel (1463-1526) errichtet und überstand auch die Feuersbrunst von 1525 ziemlich unversehrt. Es reicht noch jetzt bis zur Bäckergasse. Andere Besitzer waren um 1400 Vizenz Heller auf Sercha und Inhaber der Landeskrone, die verdiente Familie Marienam bis um 1455, der Sohn des genannten Frenzel Joachim Frenzel (gest. 1565), dann sein Sohn Peter Frenzel (gest. 1581), 1574 Adam Rüdinger, 1576 Jacob Schachmann, 1600, 1610 Joachim Schmidt, 1650 Johann Teisener (gest. 1696), 1710, 1730 Dr. med. Caspar Conrad Daum (gest. 1755), seit etwa 1740 der Regimentsquartiermeister Christian Ernst Cercovius (gest. 1758), dann der reiche Kaufmann Großmann (gest. 1798), dann seine Witwe, 1859 Julius Neubauer, 1858 Moritz Röder (gest. 1887).

Literatur:

weiterführende Texte: