Untermarkt 4 (Goldener Baum)

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Das Haus Untermarkt 4 („Goldener Baum“) gehört wie seine Nachbarhäuser zu den bedeutenden Hallenhäusern der Stadt.
Über den beiden Lauben im Erdgeschoss mit ihren weiten Kreuzgratgewölben und Spitzbögen erhebt sich die Renaissancefassade, die das Baudatum 1538 trägt und Wendel Roßkopf zugeschrieben wird.
Das Renaissanceportal unter den Lauben des Hauses findet in der Art seiner Ausfühung in Görlitz keine Parallele. Im Erdgeschoss des Gebäudes ist eine Eingangshalle aus der Zeit der Renaissance erlebbar. Ein Blick durch den in den Hof führenden Durchgang erlaubt einen Eindruck von der enormen Tiefe des Objektes. Über die Treppe rechts neben dem Durchgang gelangt man in die Zentralhalle, die im 1. Obergeschoss beginnt und alle Geschosse des Hauses miteinander verbindet. Sie wird nach oben von einem Netzrippengewölbe abgeschlossen und ist der Spätgotik zuzuordnen. In den Obergeschossen sind mehrere bemalte Holzbalkendecken erhalten.

 

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Das folgende Haus, der Gasthof zum Goldenen Baum (Nr. 4), ist berühmt wegen seiner schlichten Fassade, einer der reifsten Schöpfungen der Frührenaissance, und wegen des Görlitzer Lichthofes. In vielen Görlitzer Häusern findet sich nämlich ein großes Treppenhaus, das den hinteren Teil der Erdgeschoßhalle des Hauptgebäudes einnimmt und von seiner halben Höhe ab durch alle Obergeschosse geht und durch hochgelegene Fenster beleuchtet wird; um diesen Lichthof ziehen sich dann malerische Gänge. Diese Art des Bauens ist sonder Zweifel der Gotik entnommen. In manchen Häusern ist durch Verbauungen die weit nach oben geführte gewölbte Halle ziemlich verdeckt; im Goldenen Baum liegt sie frei und wirkt durch das dreiachsige Netzgewölbe besonders schön. Freilich hat der Eingang an den Lauben durch eingesetzte Läden viel verloren. Das Haus trägt die Jahreszahl 1538. Im Baum lebte um 1465 Nicolaus Horschel; seine Tochter, die Benigna Horschelin, lernte Georg Emerich, der im Nachbarhause (Nr. 1) wohnte, hier näher kennen, was den Anlaß zur „Pulververschwörung“ gab. Im Baum wohnte von etwa 1500 bis 1580 die Familie Kober, die 300 Jahre in unserer Stadt ihre Rolle spielte, dann Jeremias Viktorin Zacher auf Liebstein und Girbigsdorf (gest. 1675), 1725 Dr. jur. und Stadtrichter Gottlob Benj. Nicht (gest. 1737), 1750 Maria Sophia Ranisch geb. Nicht, Witwe des Schöppen Nicol. Friedrich Ranisch (gest. 1769). 1775 wurde die Gastwirtschaft, die lange geruht hatte, wieder eingeführt. Damals war Besitzer Gottfr. Adam auf Neundorf an der Landeskrone und Deutsch-Ossig (gest. 1790).

Splitter:

Gasthöfe / Hotels    
Quelle Rubrik Name Adresse
AB 1897/98 Gasthof Goldener Baum Untermarkt 4
AB 1905/06 Gasthof Zum Goldenen Baum  Untermarkt 4
AB 1911/12 Gasthof Zum Goldenen Baum Untermarkt 4
AB 1913/14 Gasthof / Hotel Zum goldenen Baum  Untermarkt 4
AB 1919 Gasthof Zum Goldenen Baum Untermarkt 4
AB 1927/28 Gasthof / Hotel Zum goldenen Baum  Untermarkt 4
AB 1929/30 Gasthof Gasthof zum goldenen Baum  Untermarkt 4
Restaurationen / Gaststätten  
Quelle Rubrik Name Adresse
AB 1949/50 Gaststätte Goldener Baum  Untermarkt 4