Untermarkt 26 (Brauner Hirsch)

Das heute hauptsächlich mit barocker Fassade in Erscheinung tretende Gebäude Görlitz, Untermarkt 26 („Brauner Hirsch“) wird in den Ratsakten bereit 1403 als „Roter Hirsch“ erwähnt. Einer der Schlusssteine der Laubengewölbe weist auf das Jahr 1486. Dies ist die älteste Datierung dieser Art an einem Görlitzer Bürgerhaus.
Im 16. Jahrhundert erfuhr das Gebäude mehrere Umbauten die u.a. durch einen der Schlusssteine der Laubengewölbe (Monogramm Michel Schmid – 1539) und Reste einer bemalten Holzbalkendecke im 1. Obergeschoss (1593) dokumentiert sind.
Nach dem Stadtbrand 1717 erfolgte 1722 der Umbau zu dem heute bekannten barocken Gebäude. Außer der Fassade sind im Inneren eine Raumflucht mit barocken Türen, eine Treppenanlage der Zeit und Reste von Stuckdecken erhalten.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Der Braune Hirsch, früher auch Roter Hirsch (Untermarkt 26), ist eins der weitläufigsten Gebäude der Stadt. Es ist vielfach umgestaltet worden. Die drei Lauben enthalten sechs Schlußsteine mit den Jahreszahlen 1486 und 1539 nebst Hausmarken. Ein Hauptausbau geschah 1722 durch den Dr. jur. und Generalakzisassessor Johann Christoph Pößner (siehe den Stein mit Beschriftung, jetzt an der Marktseite). Daher finden sich zumeist Barockformen, so an den beiden Eingangspforten und in den Zieraten oben an der Markt- und Neißegassenseite und an den zwölf flachen Pilastern mit ihren edelgeformten Kapitelen und konsolähnlichen Basen. Das Wappen an der Marktseite ist wohl das von Pößner. Besitzer: Um 1475 Seifrid Goswin, ein einflußreicher Bürgermeister, um 1490 der Stadtschreiber Magister Georg Voit, um 1520 Hans Wolmerstedt, um 1545 Michel Schmid, der seinen Namen in einem der Schlußsteine verewigt hat, Johann Ehlers aus Hamburg (gest. 1684), um 1725 Pößner (siehe oben), um 1750 der Oberamtsadvokat Samuel Gottlieb Fröhlich, der Schöppe und Advokat Andreas Heinrich Lerche (gest. 1788), der seinen Namen durch eine Stiftung für baulichen Unterhalt Görlitzer Häuser bekannt machte. Seit 1838 der Kaufmann und Apotheker Leopold Pape, der bedeutende Umbauten im Innern ausführte, einen Saal einrichtete und Läden in der Neißgasse anlegte. Eine höchst nötige Erneuerung des Hauses vollführte der jetzige Besitzer Ulrich Domke, der auch an der Ecke einen wirkungsvollen Hirsch anbrachte. Der Hirsch war früher der vornehmste Gasthof, der, an der Hauptstraße gelegen, viele namhafte Personen beherbergte. In ihm stiegen ab: König Jérome 1812, Blücher 1813 (3., 4. September), Friedrich Wilhelm III. 1835, Friedrich Wilhelm IV. 1831, 1833, 1840,1844, der russische Kaiser Nikolaus 1838, der russische Kaiser Alexander als Thronfolger 1840, der Reichsverweser Erzherzog Johann 1848, der spätere Kaiser Wilhelm I. 1819, Prinz Friedrich Karl, der in dem Kriege 1866 kurze Zeit sein Hauptquartier hier hatte.

Die folgenden Häuser, Neißstraße Nr. 5, 4, 3 bis zum Hirsch Nr. 2, haben nichts Bemerkenswertes. - Von der Südseite (an der Einbuchtung) Hainwald 1 (Neißgasse 6) führte einst hinter den Häusern der Neißgasse nach Untermarkt 25 (323) das Pfannengäßchen, wohl so genannt, weil es zur Ueberführung der Braupfanne von dem Brauhof Hainwald 1 nach Untermarkt 25 diente. Das Gäßchen hieß auch Feuergasse. Am Hirsche, Neißgasse 1 und 2, baute 1723 der Akzise-Prokurator Pösner 6 Pfeiler zur Befestigung seines Hauses auf und erregte dadurch den Widerspruch der Stadtbehörde. Pösner ließ auch nach der Neißgasse damals Kramen durchbrechen. - Als man 1710 das Steinpflaster vom Rathause über den Untermarkt und die Neißgasse hinab bis zum Tore erneuerte, schaffte man die Rinne mitten in der Neißgasse ab ).

 

Splitter:

Gasthöfe / Hotels    
Quelle Rubrik Name Adresse
AB 1897/98 Gasthof Brauner Hirsch Untermarkt 26
AB 1905/06 Gasthof Brauner Hirsch  Untermarkt 26
AB 1911/12 Gasthof Zum Braunen Hirsch Untermarkt 26
AB 1913/14 Gasthof / Hotel Zum braunen Hirsch Untermarkt 26
AB 1919 Gasthof Hotel „Zum Braunen Hirsch“ Untermarkt 26
AB 1927/28 Gasthof / Hotel Hotel zum braunen Hirsch  Untermarkt 26
Restaurationen / Gaststätten  
Quelle Rubrik Name Adresse
AB 1927/28 Restauration Brauner Hirsch  Untermarkt 26
AB 1929/30 Restauration Hirsch-Stübl (Brauner Hirsch)  Untermarkt 26
AB 1938/39 Gaststätte Hirschstübl Untermarkt 26

weiterführende Texte: