Untermarkt 23

Das Gebäude neben dem Flüsterbogen mit dem mehrgeschossigen Volutengiebel trägt die Nummer 23 und geht in seiner heutigen Erscheinung auf das Jahr 1536 zurück.
Das Portal wurde erst bei den Sanierungsarbeiten im Jahr 2000 endgültig freigelegt und ergänzt. Hier finden sich viele der in der Görlitzer Renaissance typischen Gestaltungsmerkmale, wie z.B. die Medaillons in den Spiegeln der Gewände und in den Zwickeln und das ursprünglich aus der Gotik stammende Motiv der Kreuzblume (in diesem Beispiel geometrisch und verhältnismäßig flach als Rosettenstand, im Gegensatz zum gotischen Vorgänger am Portal des Nachbarhauses – (Flüsterbogen). Ursprünglich trugen alle Häuser des Untermarktes solche oder ähnliche Giebel. Erhalten ist er leider nur an wenigen.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Untermarkt Nr. 23 zeichnet sich durch einen gewaltigen Straßengiebel aus, gestaltet in der Weise, wie wir ihn bei vielen anderen Häusern in den Hauptgassen früher anzunehmen haben. Als Jahr der Erbauung des jetzigen Gebäudes liest man 1536. Die Besitzer: bis 1435 Niclas Horschel (siehe oben Untermarkt Nr. 4), seit 1466 Niclas Girnig, Ratmann und tapferer Krieger, der aber, in seinem Alter dem Trunke ergeben, aus dem Ratskollegium ausgeschlossen wurde. Er wurde einst von dem mit ihm verwandten Baumeister der Peterskirche, Konrad Pflüger, in seinem eigenen Hause mit mördlichem Gewehre angefallen. Im 18. Jahrhundert haben die Familien Nicius und Gehler das Haus gehabt, 1813 war die Conradsche Tuchhandlung hier, in der Folge besaß es der Kaufmann Bauernstein.