Untermarkt 22 - Flüsterbogen

Das wohl am meisten besuchte gotische Portal der Stadt Görlitz ist der so genannte „Flüsterbogen“ am Haus Untermarkt 22.
Dieser Torbogen wurde um 1500 errichtet und trägt eine Reihe von spätgotischen Merkmalen, auch wenn man ihn nicht unbedingt als typisches gotisches Portal bezeichnen kann. Dazu gehören die kielbogenförmige Archivolte, die darum angeordneten Krabben, die mittige Kreuzblume und die beiden seitlichen Maskenkonsolen.
Seine auf Besucher der Stadt so anziehende Wirkung aber hängt mit dem akustischen Phänomen zusammen, welches man hier beobachten, oder besser gesagt hören kann. In der im Bogen umlaufenden Vertiefung überträgt sich Schall von der einen zur anderen Seite. Was also auf der linken Seite hinein geflüstert wird, ist auf der rechten Seite zu hören (oder umgekehrt!).

Seit der Enstehungszeit des Portales wurde das Haus häufig umgebaut und verändert. Die deutlichsten Spuren hat der Barock, also das 18. Jahrhundert hinterlassen. Trotzdem haben sich an der hofseitigen Fassade gotische Fenstergewände erhalten.

 

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Untermarkt 22 trägt ein Rundbogenportal aus spätgotischer Zeit, dessen Bogen, von einer mit Kanten- und Kreuzblumen verzierten Umrahmung gesäumt, wegen seiner akustischen Eigenschaft „der Flüsterbogen“ genannt wird. Das Haus reicht bis zur Rosengasse durch. In ihm wohnten der zur Zeit des Hussitenkrieges viel genannte Peter Bartholomäus, dann Dittrich Cranleit, der 1455 einen Geburtsbrief vorlegt und Bürgerrecht nimmt ). 1516 Adolar Ottera, der Schwiegersohn Georg Emerichs, der durch seine Frau Anna das Städtlein Schönberg und Halbendorf sowie einen Teil von Leschwitz erhielt, 1525 und 1535 Urban und Jacob Emerich, die Söhne Wenzel Emerichs, des Stiefbruders Georg Emerichs, 1549, 1574 Heinrich Pflüger (gest. 1575), von dem ein richterliches Tagebuch vorhanden ist ), 1583 der Bürgermeister Valentin Ritter (gest. 1586), 1613, 1621 Theophilus Igel, um 1730 der Stadtrichter Gottfried Gerlach (gest. 1737), der durch die Gerlachsche Stiftung sich bis zur Jetztzeit verdient gemacht hat. Die Gerlachsche Kasse und ihre Verwendung unterlag und unterliegt niemandes, wer es auch sein möchte, Aufsicht, und steht allein dem Magistrat zur freien Verfügung zu  ).