Untermarkt 1

An der Stelle des gründerzeitlichen Gebäudes Untermarkt 1 stand ursprünglich der Renaissancepalast der Familie Emmerich, die das Grundstück seit 1434 ihr Eigen nannte. Urban Emmerich, der das Grundstück 1434 erwab, bewohnte vermutlich also den gotischen Vorgängerbau des links dargestellten Renaissancehauses.
Bereits im Barock veänderte sich das Haus, bekam einen neuen Dachstuhl und eine schlichtere Fassade. Der Zustand der Fassade in Renaissance und Barock lässt sich bis heute durch erhaltene zeitgenössische Zeichnungen nachvollziehen. 1852 wurde das Haus von der Stadt erworben und mit der Bestimmung, es abzureißen weiterveräußert. 1853 wurde es abgebrochen und es entstand der noch heute sichtbare „Neubau“. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Weberstraße um 17 Fuß verbreitert.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Untermarkt 1 ist das Haus, mit dem seit uralter Zeit die Geschoß- und Steuerregister beginnen. Das alte Haus wurde 1852 von der Stadt gekauft und weiterverkauft mit der Bestimmung, daß es nach Norden und Süden weiter zurückgebaut würde. Deshalb fielen die drei großen Läubenbogen nach dem Markte zu und deshalb wurde die Webergasse nach Süden zu bis zur Bäckergasse um 17 Fuß verbreitert. Eine alte Zeichnung aus der Zeit unmittelbar von 1853 beweist, daß das alte Haus in der Barockzeit vollständig nach dem Markte zu umgestaltet war. Es hatte nach der Marktseite östlich drei große und nach Westen einen kleinen Läubebogen, über ihnen standen zwei Geschosse, zwischen dem vorletzten und letzten Läubebogen erhob sich bis zum Dache ein Erker, der unten von Säulen gestützt wurde. Hier wohnte der aus der Stadtgeschichte wohlbekannte Paul Rinkengießer um 1430, seit 1434 Urban Emerich, seit 1466 sein berühmter Sohn Georg Emerich. Das Haus blieb in der Familie Emerich bis um 1622, wo es der Schwiegersohn des Hans Emerich, Gottfried Rücker, überkam. 1660 sehen wir es in den Händen des berühmten Bürgermeisters Bartholomäus Gehler (gest. 1671), seit 1854, 1861 und 1889 besaßen es die Eisenhändler Krümmel, Tillemans und Oscar Wagner. Das Haus ging bis zur Bäckergasse durch.