Turmuhren des Rathauses

Die mit 2 Zifferblättern ausgestattete Uhr wurde 1524, nach der Aufsetzung des Oktogons, angebracht. Die untere der beiden Uhren ist eine Stundenuhr, die ursprünglich ein 24-teiliges Zifferblatt hatte. Dieses wurde mit der Einführung der 12-teiligen Uhr durch Bartolomäus Scultetus im Jahr 1584 durch das bis heute erhaltene Zifferblatt ersetzt.
Scultetus war es auch, der die Stundenuhr mit der darüber befindlichen Mondphasenuhr verbinden ließ.
Der äußere Ring des oberen Zifferblattes zeigt noch heute die 24 Stunden, der mittlere die Mondphasen und der innere den Kalendertag an. Der innere Kreis ist seit der Kalenderumstellung nicht mehr in Betrieb, da mit dem Gregorianischen Kalender die gleichmäßige Anzeige von jeweils 30 Tagen pro Monat natürlich entfiel. Das untere Zifferblatt trägt in der Mitte einen Wächterkopf, der minütlich Augen und Mund öffnet. Diese Skulptur geht auf eine Sage zurück, nach der ein Wächter auf der Stadtmauer seinen Dienst nicht gewissenhaft versah und dabei ertappt wurde.
Der goldene Löwe in dem darüber liegenden Spitzbogenfenster kündigte durch sein „Gebrüll“ ursprünglich den Wechsel der Mondphasen an.

Ergänzung aus „Topographie der Stadt Görlitz“, Richard Jecht:

Den Turm schmücken jetzt noch an der Marktseite zwei Zifferblätter: Das untere, das jetzt noch die Zeit anzeigt, hat in der Mitte einen Judenkopf, der bei dem Stundenschlag die Zunge herausstreckt und die Augen beim Pendelschlag verdreht; dieses Zifferblatt ist laut Beschriftung 1524 hergestellt, muß aber, da die 12-teilige Uhr erst 1584 eingeführt ist ), in den Ziffern verändert sein; das obere ist 24-teilig und trägt sonst noch Beiwerk. In einem Fenster über dem oberen Zifferblatte liegt ein Löwe, der, wenn Neumond eintrat, schrecklich brüllte, weshalb, da die schwangeren Weiber darüber erschraken, die Löwenpfeife außer Diensten gestellt wurde. Die hoch am Turme angebrachten vier Stundenweiser stammen vom Jahre 1743, vorher gab es dort nur zwei; der Uhrmacher hieß 1743 Christian Friedrich Schmidt, der auch damals die unteren Zifferblätter erneuerte. Das schmiedeeiserne Gitter am Umgange oben fertigte der Görlitzer Schlossermeister Hempel.

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