Steinweg

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Nach Westen von der Boggasse biegt der Steinweg ab. Jetzt heißt der westliche Teil mit seiner Ausbuchtung nach Norden hin Ober-Steinweg, der seine Grenzen nach Süden hin am Kreuztore hat. Der Ober-Steinweg hieß früher Neugäßchen. Das Geschoßbuch 1775 unter scheidet Neugasse und Ober-Steinweg. Die Neugasse nahm die jetzigen Nummern 8-23 und den Ober-Steinweg ein. Der gesamte Ober-Steinweg hieß auch 1570, 1593, 1600, 1650,1675,1686 ) die Kreuzgasse. Sicher ist, daß 1559 11 Häuser vom Kreuztore nordwärts gebaut und mit dem Namen Neugässel benannt wurden. Sie wurden zwar vom schwedischen Oberst Wanke kurz vor der Belagerung 1641 in Brand gesteckt, aber wieder aufgebaut. 1717 brannten sie wieder ab und lagen lange Zeit wüste darnieder. „Vor dem Brande 1717 fanden sich dort viele Häuser, die aber itzo (um 1770) wüste liegen.“ Das Geschoßbuch von 1775 gibt 30 Wüstungen an, die meistens auf dem Ober-Steinweg liegen. -

Auf der Mittagseite des Steinweges standen 26, auf der anderen Seite 48 Häuser. Der Steinweg war die Hauptgasse des alten Dorfes Görlitz. Es fanden sich dort auch Vorwerke, so 1338, 1341 und 1346 im Besitze der von Salza, auch 1462 ).

Steinweg Nr. 7 (539) hat ein schönes Tor mit ausdruckvollem Klopfer und sonstigem Zierat. Steinweg Nr. 12 hat nach der Straße zu eine gerundete, turmähnliche Form (unwillkürlich wird man an einen Bergfried erinnert). Nr. 39 (578) hat oberhalb des einfachen Einganges ein Wappen, das trotz aller Mühe bis jetzt nicht bestimmt werden konnte ). Im Hinterhaus von Obersteinweg 20 (552/553) sieht man einen bärtigen Kopf aus der Renaissancezeit, der wohl von anderwärts hergenommen ist. 1480 wird ein Haus auf dem Steinwege zunächst dem Priesterhaus erwähnt ). Die Straßengiebel des Steinweges, die zum Teil noch im Osten erhalten sind, gaben und geben der Gasse einen gewissen Reiz. Die Erdgeschosse sind vielfach gewölbt. Auf dem Ober-Steinweg standen die „Sieben Kurfürsten“ mit Straßengiebeln. 1931 ist nur einer der Giebel (Nr. 3) noch erhalten. 1845 wurde die Fluchtlinie im Neugäßchen (Ober-Steinweg) geordnet und die Gasse verbreitert ).