Steinstraße 9

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Steingasse 9 (87), Eckhaus an der Elisabethstraße, ein alter Brauhof. Nach einer Zeichnung von 1851 hatte er über dem Erdgeschoß, das in der Mitte eine breite Einfahrt hatte, zwei Obergeschosse, die im Norden je drei übereinanderliegende Fenster mit altem Zierat zeigten. Ueber der Einfahrt war ein Stein angebracht mit der Inschrift: „Stat sua cuique dies 1474“. Die Jahreszahl ist bedeutungsvoll, denn damals wurde das hier und in der Nachbarschaft stehende herzogliche Schloß abgebrochen und Bürgerhäuser erbaut. Daß der berühmteste Görlitzer Stadtschreiber Joh. Frauenburg diese Inschrift anbrachte, ist sehr wahrscheinlich, daß er aber das Haus besessen habe, ist nach den Geschoßbüchern ausgeschlossen (siehe Brüdergasse 11, oben S. 387). Das Haus trug früher zwei (große) Giebel, die aber zuletzt zwei halben Walmen Platz machten. Das Haus ist 1863/64 neu aufgebaut. Besitzer: 1603 George Mücke, bis 1613 Augustin Schnitter, dann folgten 1613 bis um 1640 Gottfried Schmidt, 1648 Paul Kroneker, 1675 Margarethe Beyer, Witwe des Kaufmanns Friedrich Beyer (gest. 1670), 1700 Advokat Johann Harrer, 1725 Florentine Eleonore, geb. Harrer, Eheliebste des Waisenhausverwalters Gottfried Sibeth, 1750 Gottfried Sibeth (1695 bis 1768), ein bescheidener, fleißiger Mann, der große Verdienste um die Oberlausitzer Geschichte hat ), 1775 Christian Sigismund Flemming auf Kleinbiesnitz, seit 1784 der Sattler Joh. Christoph Böhme, 1815 Weißbäcker Johann Simon Finster, 1862 der Fleischer Heinrich August Altmann, der das Haus umbaut, 1876 Siegfried Schnell. Zu derselben Nummer 87 gehörte das Schützenhaus im Zwinger, das 1853 abgebrochen wurde, das Torschreiber- und Torhüterhaus (1851 abgebrochen) und das Haus des Klempnermeisters Ernst Gustav Erber, der das alte, an das Vorderhaus anstoßende Malzhaus kaufte und 1864 ein neues Haus in der Elisabethstraße Nr. 2 (1306) baute.