Stadtmauer / Stadtbefestigung / Basteien

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Befestigungen.

Kein Teil der eigentlichen Stadt hat so viel Veränderungen erfahren wie die Befestigungen. Die Not der Zeit erforderte oft ihre Verstärkungen und Neubauten. So wurde im Hussitenkriege des öfteren von den Görlitzern der Meister der Befestigungskunst Heinrich von Maltitz herangezogen ). Hatte man friedliche Zeiten, so scheute man die Kosten und ließ die Tore, Türme, Mauern und Gräben verfallen. Als durch die Entwicklung der großen Geschütze die Stadt als Festung bedeutungslos wurde und die Bürger als Schützer der Stadt kaum in Frage kamen, da reichten die umschließenden Befestigungswerke noch gerade aus, um vor räuberischem Gesindel sich zu sichern und um fremden Gewalten, die sich in der Stadt eingenistet hatten, einen Stützpunkt darzubieten. Die Umschanzungen aber waren wegen der nahen Anhöhen der zerstörenden Gewalt der Artilleriegeschütze preisgegeben. Als Kaiser Ferdinand I. am 26. Mai 1538 vom Ratsturme aus die der Stadt nahen Erhöhungen sah, soll er ein schweres Scheltwort geredet und geflucht haben, dergleichen von ihm nie gehört ). So hat die bekannte Belagerung der Stadt im Jahre 1641 einen Teil der alten Befestigungen niedergelegt. Und als der große Krieg zu Ende war, da fehlten die Mittel und die Luft für Erneuerung, so daß von den Basteien etliche viele Jahre in Trümmern blieben. Doch zwang immerhin die Unsicherheit der Straßen zur notdürftigen Erhaltung. Am meisten noch kümmerte man sich um die Tore, die von Stadtsoldaten und einquartierten landesherrlichen Soldaten bewacht wurden. Durch sie kamen ja von allen Richtungen fremde Gäste in die Stadt, und man setzte einen Stolz darein, bei ihnen einen günstigen Eindruck von der Wohlhabenheit und Sicherheit zu erwecken. Schließlich sprengte der wachsende Verkehr des 19. Jahrhunderts die Fesseln des schützenden Ringes.

Kurze Nachrichten über die alten Befestigungen sind aus dem 14., 15. und 16. Jahrhundert und darüber hinaus massenweise vorhanden, sie würden aber kaum ein geschlossenes Bild ermöglichen, wenn nicht seit 1565 Ansichten und Pläne der Stadt vorhanden wären ). Vornehmlich ist das Belagerungsbild vom Jahre 1641, das gerade auf die Wehren das Hauptgewicht legt, von Nutzen ). Ich behandle zunächst die


Stadtmauern, Gräben, Zwinger.

Die Stadtmauern - ich folge hier einer Beschreibung Christian Knauthes um 1760 ) - waren bis auf eine kurze Strecke an der Ostseite (bei der Neißebrücke) doppelt. Die äußeren waren 6, 8 und mehr Ellen hoch, doch nicht so stark und hoch wie die Mauern nach der Stadt zu. Sie hatten keinerlei Fußtritte (Treppen), wohl aber hin und wieder Schießlöcher. Die innere Mauer war höher, stärker und dicker, sie hatte geraume „Fußtritte“ und einen Umgang, daß man darauf von einem Tore zum andern gehen konnte. Nach außen hin war an der inneren Mauer eine besondere steinerne Wand um und um geführt, die mit Schießlöchern versehen war, nach der Stadt zu war ein hölzernes Geländer angebracht. Die Mauer war auch mit einem Ziegeldach versehen. Der Teil zwischen den Mauern hieß der Zwinger, früher im 14. und 15. Jahrhundert der Parchen. Dort hatten gegen 1490 die Tuchmacher ihre Rähmen aufgeteilt, mußten sie aber nach einem Ratsbeschluß entfernen; zugleich wurde angeordnet, daß zwischen den Häusern und der Mauer ein Raum von 4 Ellen freiblieb, daß man mit einem Wagen dort fahren konnte ). Bis zum Abbruch der Mauern diente der Zwinger auch zur Grasnutzung; man fand dort auch Obstbäume, auch Zimmerarbeiten wurden hier vorgenommen, ferner Glocken gegossen. Im Zwinger, ostwärts vom Frauenturme, stand ein Schützenhaus, wo wöchentliche Übungen stattfanden. Ferner hielt man im Graben, um Wildbret zur Verfügung zu haben, zu Zeiten Hirsche (am südlichen Ausgang der Webergasse). 1598 wurde dort ein Knabe, der versehentlich in den Graben gefallen war, aufgespießt. 1539 baute man den Umgang und die Mauer hinten an der Peterskirche, deckte sie auch mit Ziegeln, dasselbe geschah auch über dem Neißtore ). Südlich vom Schlößchen ist die Mauer oben unterbrochen durch das Observatorium Sculteti, ein über die obere Mauer hinausspringendes malerisches Befestigungswerk. Man erzählt sich, daß hier der bekannte B. Scultetus seine Himmelsbeobachtungen gemacht habe. Eine andere, aber kaum volkstümliche Bezeichnung dafür ist „der Jungfernsprung“, weil sich in der dortigen Gegend am 6. Juli 1741 eine Jungfer in die Hotergasse hinabstürzte ). Am 11. Juni 1454, am Dienstag in der Pfingstwoche, geschah beim Mauerbau an dieser Stelle ein großes Unglück. Man hatte kurz zuvor von der Hotergasse hinauf ein neues Gewölbe geführt und oben, neben der St. Georgen-Kapelle war Schutt abgelagert. Ein heftiger Regen durchsetzte ihn und vermehrte den Druck. So stürzte das Gewölbe zusammen und brachte 6 Personen den Tod. Man baute darauf starke Pfeiler von der Hotergasse heran und wölbte, um den Druck der östlichen Kirche abzufangen. Die Arbeit dauerte bis 1461. So entstand dort das überaus malerische Stadtmauerbild, das um 1855 durch ein zur Vierradenmühle gehöriges, an der Mauer gelegenes Verwaltungsgebäude verdeckt und neuerdings, als die Mühle und Fabrik in die Hände der Stadt kam und mit allem Zugehörigen abgerissen wurde, sozusagen neuentdeckt wurde ). Im Februar und März 1578 ist ein Stück am Graben vorm Reichenbacher Tore, im Hinausgehen zur rechten Hand, nach dem Grünen Graben zu einwärts gewichen, daß man dieselbe Mauer hat „pfeilern“ müssen ). Schlimm wurden die Mauern in der Belagerung 1641 zugerichtet, worüber das Belagerungsbild von Schlomachen gut unterrichtet ). Vornehmlich schoß man im August 1641 Bresche, um zu stürmen, und zwar am Pulverturm in der Nähe der Kaserne und an der Südostecke, in der Gegend der Bergstraße, am „Schwedischen Fähnrich“; es wurden dort die Mauern und Befestigungen arg geschädigt. Die Lücken besserte man mit Mist, Brettern und Wollsäcken notdürftig aus ). Erst 1664 wurden die meisten Schäden „an der kaiserlichen Bresche“, wo die Stadtmauer von der Neiße nach Westen sich zog, behoben. 1838 wurde die Mauer am Nikolaigraben statt der früheren Schindeldeckung mit Granitplatten abgedeckt ). Der Mauerring fiel bis auf die jetzt noch stehenden Reste an der Neiße und am Nikolaigraben im 19. Jahrhundert; 1837 wurde der beengende Mauerring im Süden der Stadt niedriger gemacht, 1847 begannen wegen des Abbruches der Mauer die Verhandlungen mit den staatlichen Behörden, die Wert auf Erhaltung der Befestigungen legten. 1848 wurden brotlose Arbeiter dazu verwandt. Zuerst fielen die Mauern im Süden (Elisabethstraße), 1851 die im Westen, 1854/55 die auf dem Jüdenringe und weiter nach Osten ).

Mit dem Abbruch der Mauern ging Hand in Hand das Zuschütten der Gräben vor der Mauer. Die Gräben waren zumeist wasserarm, an der Neiße bedurfte man ihrer nicht, im Norden war das Wasser von den Teichen durchgeleitet. Nach auswärts waren sie alle gefüttert oder mit einem starken Mauerwerk gestützt, daß das Erdreich nicht einschieben konnte ). 1434 war das Wasser an einer Stelle des Grabens so aufgespannt, daß man Karauschen dort fing. Die Ratsrechnungen erfühlen, daß man viel Kosten und Mühe aufwenden mußte, um die Wände vorm Einfallen zu schützen; man bediente sich dazu hölzerner Planken und Bretter, auch Zaunruten ). Sogar Korn und Wicken wurden auf dem Graben gesät, auch Weiden wuchsen 1429 dort ).

Durch die Mauern in die Gräben führten Wasserdurchlässe. Der bekanntere ist das Hundsloch am Ausgang der Büttnergasse ). 1390 werden die Anzüchte durch die Mauer gereinigt ) und Gitter angebracht ).

In Zeiten der Gefahr standen zwischen den Mauern „auf den Erkern und neuerrichteten hölzernen Wehren und an den Lücken“ Wächter, so 1399  ); in der Hussitenzeit brachte man dorthin Braupfannen mit siedendem Pech oder
heißem Wasser.    

Eine alte Vermessung, die genaue Teilstücke mit ihren Längen bringt, berichtet, daß die Hauptmauer 3360 Ellen betragen habe; damit stimmt aber nicht die Nachricht aus dem Jahre 1618 überein, da soll der Umfang, den man mit einem Rade, so 5 Ellen im Zirkel hielt, maß, 5583 Ellen (vielleicht sind Fuß gemeint), ergeben haben ). Noch eine andere Länge mit 465 Ruten, zu 12 Fuß gerechnet, wird angeführt.

Basteien.

Um 1700 fand man 20 Basteien auf der äußeren und 12 auf der inneren Mauer (nicht gerechnet die 4 Haupttürme) ). Soviel zählte ich auch auf der Belagerungskarte von 1641. Sie zeigt die äußeren Türme wohl alle rund (daher Rondell genannt), die inneren viereckig (Im Zuge der Elisabethstraße finden sich nicht weniger als 7 viereckige). Gegen 1430 stand auf dem östlichen Jüdenringe das Bollwerk Resinburg bei dem Hitzegarten, genannt nach einer Burg Riesenburg westlich von Teplitz, die 1426 viel umstritten wurde ). Am Ausgang der nördlichen Hotergasse das Weighaus Kuttelhof, das wahrscheinlich auch Wagendrossel hieß, dann weiter das Weighaus Rodenberg an dem Voigtshofe, zu Ehren Gottfrieds von Rodenberg, Vogts des Deutschen Ordens, der den Oberlausitzern zur Zeit des Hussitenkrieges zu Hilfe kam; es folgten die Weighäuser Senftenberg, Kynast und Finsterwalde ).

In der Verteidigungsordnung von 1470 ) werden mit Mannschaften besetzt
u. a.: Auf dem Niderviertel die neue Bastei an der Lunitz, auf dem Neißviertel eine Bastei, die oben mit Holzwerk „geschroten“ ist, auf dem Frauenviertel die rote Bastei, ferner die Bastei auf der Zielstatt (zwischen Frauen- und Reichenbacher Turm), dann „Wälle“ auf dem Frauen- und Reichenbacher Viertel und endlich Erdwehren auf dem Reichenbacher Viertel. Von den Basteien blieben bis heute nur 4: Der Kaisertrutz, ferner eine Bastei, wo der Nikolaigraben nach der Hotergasse umwendet, dann die Ochsenbastei und ein kleines Rondell, wo die Stadtmauer von der Neiße her nach Westen umbiegt.

Die erste Rolle spielt der Kaisertrutz. Der Name entstand erst 1641, als die Schweden den umlagernden Kaiserlichen und Kursachsen „trotzten“. Noch lange aber danach sprach man vom Reichenbacher Rondell und Reichenbacher
Tor ), vom großen Rondell oder einfach vom Rondell. Es ist wohl die Stelle, wo der Stadt am leichtesten Gefahr drohte. Deshalb mag wohl schon vor 1490 eine starke Toranlage dort gewesen sein. 1427 sprechen die Ratsrechnungen vom Budissiner Tore ). „Als nun nach dem Tode Königs Matthias diese Lande in Besorg gestanden und noch keinem Herrn Zusage noch Huldigung getan hatten“, da fing man an, hier eine neue, sehr starke Befestigungsanlage zu erbauen, deren Reste noch jetzt vorhanden sind.

Jeder Mitbürger in der Stadt und Gärtner vor der Stadt und die Bauern auf den Stadtdörfern mußten wenigstens einen Tag persönlich oder durch einen Tagelöhner die Erde zum Grunde ausführen ). Und da im Grunde zwischen dem Rademarkte viel Scheunen gestanden, der Stadt nicht zur kleinen Fährlichkeit, sind die abgebrochen, also, daß derselbige Grund mit Abraum aus der Stadt und mit Erde, aus dem Grunde der Pastey dahin geführt, ist ausgefüllet worden ).“ Noch 1498 arbeitete man an den „Gräben um die große Pastey am Reichenbacher Tore“ und erbat für diese Arbeit die Mithilfe der Landstände ).

1521 ist das Reichenbacher Tor aufs neue herum wie auch die Quermauer nebst dem mittleren Tore und dem Gange drüber gebaut worden ). „Nach Süden, Westen und Norden war dort an der Bastei ein tiefer, runder und breiter, gefütterter Graben, der zum Teil mit Wasser, zum Teil mit Morast gefüllt war. Inwendig ist ein freier Platz, in dessen Mitte ein Türmlein von Grund auf in die Höhe geführt, freisteht und mit einer Kuppel und Knopf versehen ist. Inwendig kann man unter Schwibbogen um und um gehen oder fahren. Oben auf der Mauer sind Kragsteine eingemauert, auf welchen auswendig ganz herum eine besondere Mauer, mit Fenstern und Schießscharten versehen, stehet und zwischen der und der inneren Mauer ein Gang ganz herum zu finden ist, oben aber ein allgemeines Dach in der Rundung.“ So beschreibt Knauthe das Rondell etwa 1770 ). Bauliche Erneuerungen geschehen 1541 ); 1569 fielen Kragsteine in das Wasser, einer der Schwibbogen brach darnieder, ähnlich 1717. 1633 bei der (Einnahme der Stadt durch Sturm der Kaiserlichen zog sich der sächsische Oberst Rochau in den Kaisertrutz zurück, wurde aber im Graben erschossen.

Im Jahre 1587 lag ein Teil des Görlitzer Ratsarchivs in dieser stärksten Bastei der Stadt und wurde von B. Scultetus für seine Annalen benutzt ). Die Bastei stand mit der inneren Stadtmauer durch zwei senkrecht auf sie stoßende Mauern in Verbindung, die Ausfahrt aus der Stadt vom Obermarkt war südlich am Turm, der Weg ging dann bis kurz vor das Rondell, bog dann nach Norden um und verließ auf einer Brücke die Befestigung. Diese Reichenbacher Brücke, die anfangs aus Holz war, wurde 1590 neu aus Stein mit Wölbungen gebaut, nur die kurze, an der Mauer befindliche Öffnung wurde durch eine Zugbrücke gedeckt, die 1772 ebenfalls durch eine aus Stein ersetzt wurde ). Die beigegebenen Bilder verdeutlichen besser die ganze Anlage als jede Beschreibung. Der Abbruch des Tores und sämtlicher Mauern um dasselbe, verbunden mit Zufüllung des Grabens, geschah, beschleunigt durch den Arbeitsmangel, 1848. In den folgenden Jahren baute man den Kaisertrutz aus, und 1850 wurde der Ausbau vollendet; der erste Stock wurde anders gebaut und das Türmchen erhöht. Es wurde dort die Hauptwache eingerichtet und am 5. Oktober 1850 bezogen. Beim Grundgraben zum Vorbau des Kaisertrutzes 1849 fand man Kopf und Gesicht eines bärtigen Mannes, der wahrscheinlich aus der Toranlage vor 1490 ) stammt und 1931 im Kaisertrutz aufgestellt wurde. Die Figur stellt vielleicht Simson dar, wie er die Säulen einreißt. Die Befestigungsform von 1850 hat sich bis jetzt erhalten, wo nach einem Beschluß der Stadtbehörden das Innere des Kaisertrutzes 1931 für ein Heimatmuseum eingerichtet wurde. Die Eröffnung geschah am 14. Oktober 1932.


Der Pulverturm.

Von dem Reichenbacher Tore bis hinunter zum Nikolaigraben zählte man 7 Rondelle, merkenswert war durch seine Höhe, durch sein weites Hinausspringen aus der Mauer und durch seinen besonderen Graben der Pulverturm. Er trug die Inschrift: Melior est certa pax quam sperata victoria (Besser ist ein sicherer Friede als ein erhoffter Sieg) 1479. Der Turm war 1641 bei der Belagerung Gegenstand der heftigsten Kämpfe ), wovon noch lange eine dem Ingenieur und späteren Kommandanten der Pleißenburg von Leipzig Basilius Titel geltende Inschrift erinnerte ). Wunderbar ist, daß diese Bastei am Grünen Graben fortdauernd mit dem Rondell an der südöstlichen Ecke der Stadt, genannt der Schwedische Fähnrich, verwechselt wird, derart, daß sie mit diesem Namen auch auf der Waegeschen Karte um 1847 erscheint. Im Jahre 1663 wird an der Pulverbastei gearbeitet. Der Name Pulverturm stammt vielleicht von der nahen Pulvermühle.


Das Rondell am Hälterberge.

Auch am Hälterberg (am Jüdenring) stand ein Rondell, von dem ein Bild aus dem Jahre 1850 vorhanden ist.


Die Ochsenbastei.

Die Bastei, die einen Nebenausgang schützte, ist uralt. Schon 1370 heißt sie das Tor an der Kahle, 1470 das Kahletor, 1490 das Neutor an der Kahle ). 1525 brannte diese Bastei bei der „Neubadestube“ ab und wurde von Haß 1536 wieder aufgerichtet und mit steinernem Gewölbe versehen. Man liest seitdem jetzt noch die Inschrift: Civitatem melius tutatur amor civium quam alta propugnacula, was eine alte Übersetzung so wiedergibt: Der Bürger Liebe tut viel mehr, als Doppelhaken und Gewehr ). 1680 wurde das Kahletor erneuert, 1834 zum Teil abgebrochen ). Es war rund und reichte bis zur Mauer, mitten durch ging ein Weg, auf dem die Ochsen auf die Viehweide (Park) getrieben wurden. Nur der Westteil steht jetzt noch.
Schwedischer Fähnrich.

An der Ecke, wo sich die Mauern und der Graben aufwärts von der Neiße nach Westen zu wenden, stand im Graben ein dicker, runder, ansehnlicher Turm; 1641 wurde er stark beschossen und mit dem weiter aufwärts stehenden Turm zerstört und trotz des zähen Widerstandes des Schwedischen Fähnrichs Löst erstürmt‘ ). Die anstoßenden Mauern wurden im 17. Jahrhundert wohl wieder aufgebaut ), der Turm aber 1771 vollständig abgerissen ). Lange findet sich die Bezeichnung „Kaiserliche Bresche“. 1470 und 1488 heißt wohl dieselbe Bastei „die große Bastei in der Kahle und die kleine daneben )“.

Zwischen dem Schwedischen Fähnrich und der Pforte wird 1488 die Bastei im Baumgarten zunächst der Wand genannt ), eine andere Bezeichnung ist die Bastei nächst der großen Bastei auf dem Judenkirchhof ).

Östlich vom Frauentor wird 1477 und 1488 die rote Bastei genannt. Vielleicht ist es die Bastei hinter dem Marstall. Zwischen dem Frauen- und Reichenbacher Tore an der Südwestecke der Stadt, gegenüber vom jetzigen Theater (etwa Am Museum Nr. 2) fand sich ein Rondell, welches mit der an der Stadtmauer gegenüberstehenden Bastei eine Verbindung hatte. An einer steinernen, in die Mauer eingelassenen Tafel las man dort: Satis celeriter fit, quicquic fit bene (Genugsam schnell geschieht, was gut geschieht) 1477. Die Bastei hieß 1470 und 1480 Zielstatt-Bastei; denn die Schützen hatten ursprünglich ihre kleineren Übungen im Zwinger westlich des Frauentores ). Um 1800 war diese Bastei vom Waisenhause aus zugänglich, und 1826 bis 1856, wo sie abgebrochen wurde, befand sich dort ein Polizeigefängnis mit einer Reinigungsanstalt für die Kleider der Vagabunden. - Die Schützen hatten bis Abbruch der Mauern ihre Übungen im Zwinger östlich vom Frauenturm ).

Jenseits der Neiße lag gegenüber dem Ostende des (jetzt abgebrochenen) Spitals ein Brückenkopf, der Spittelturm ), der mit der östlich anstoßenden Nagelschmiede den Fahrweg sehr beengte. Er wurde mit dem Nebengebäude 1824 abgerissen als das erste der verkehrsstörenden Bollwerke. Er war ziemlich umfangreich und 60 Fuß hoch und trug die Inschrift: Pace bidens vomerque vigent ) (Im Frieden gedeihen Karst und Pflug) mit der Jahreszahl 1477; doch tritt er schon 1470 als die Bastei vor der Mühle auf, wo sie samt der Kirche des Hospitals mit Mannschaften, Hauffnitzen, Pulver und einem Büchsenmeister belegt wurde ). Die Stadtbilder von 1565 und 1575 zeigen an der Ostseite dieses Turmes in einem großen Kreuze mit zwei Querbalken (Patriarchen- oder Lothringerkreuz) eine Heiligenfigur. Arge Zerstörungen erlitt dieser wichtige Brückenschutz bei der Belagerung der Stadt 1641, weil das auf dem Töpferberge stehende schwere Geschütz große Wirksamkeit zeigte. Doch schickte der schwedische Befehlshaber Wanke immer frische Mannschaften und Verteidigungsmittel in Kähnen über die Neiße, und es gelang den Umlagernden nicht, dort festen Fuß zu fassen ). Ein ziemlich deutliches Bild bringt die Ansicht der Stadt von 1575.

Auch die Frauenkirche war nicht nur durch eine Mauer notdürftig geschützt (schon 1428) ), sondern hatte auch als Wehren 2 Basteien südöstlich an der Mauer; die eine hatte 1770 ein zerfallenes Dach, die andere, im Winkel auf Frauenkirchhoff (erwähnt 1490) ) an der Ecke gegen morgen, trug die Inschrift: Cave faxis tu quicquam indigni (Hüte dich, etwas Unwürdiges zu tun) 1478. 1840 erfolgte der Abbruch der Mauern am Frauenkirchhofe, wobei dann auch die beiden Türme fielen. An Stelle der Mauer trat ein eisernes Gitter, das weiter nach der Kirche zurückgestellt wurde.

Uebrigens finden sich im 14. Jahrhundert Spuren einer Art Türme in den geschlossenen Gassenreihen; sie werden „Bergfriede“ genannt. Nur an vier Stellen in den Jahren 1384,1395 und 1405 sind sie mir vorgekommen. Auch Eberhards Turm kann hier genannt werden. Er lag an der Stadtmauer östlich vom Waidhaus, wurde dann Privatbesitz; von der Stadt angekauft, wurde er im Hussitenkriege abgebrochen ). Solche Bergfriede sind übrigens auch in anderen Städten nachweisbar ). Es sind feststehende, turmähnliche Gebäude aus Holz oder Stein, die im Innern der Stadt, aber auch in Vorstädten lagen. Sie scheinen nach den angegebenen Stellen immer vermögenden Leuten gehört zu haben. Ob sie vielleicht auch in den Parteikämpfen innerhalb der Stadt ursprünglich eine Rolle gespielt haben, wage ich nicht zu entscheiden.

Haupttürme und Haupttore.

Solche besaß Görlitz hinter den Mauern 4, zu denen die 4 Viertel gehörten ), dazu ein Nebentor (die Pforte).


Reichenbacher Turm und Tor.

Der Turm wird zuerst 1376 erwähnt ). Die jetzige Gestalt erhielt er nach den Chroniken 1485, wo er „kostbar und zierlich gebaut wurde“. Nach dem Stadtbilde von 1565 ragt die Turmspitze hoch aus einer Reihe von Giebeldächlein heraus, die Spitze wurde 1736 um 3 Ellen erniedrigt, auch 1782 geschah eine Erniedrigung; 1869 wurde der Durchgang für die Fußgänger angelegt. Der Turm ist nach dem übereinstimmenden Urteil aller Kenner nicht bloß die Perle aller schlesischen Türme, sondern einer der prächtigsten in Deutschland überhaupt; die lebensvolle, dabei einfache Art seines Aufbaues, bei dem das untere Viereck wie von selbst durch ein Achteck und Pultdach in einen Zylinder und dieser in eine schöne und scharf begrenzte Spitzkuppel in Zopfform übergeht, die prächtigen, in schön geometrischen Abständen befindlichen Wehrumgänge und Spitzbogenfriese bringen ein überaus malerisches Bild hervor. 1641 bei der Belagerung wurde er ziemlich durch Kanonenkugeln beschädigt, deren Spuren man jetzt noch bemerken kann. Der Zusammenhang mit dem Kaisertrutz und den drei Toröffnungen ist schon oben (S. 535 ff.) angeführt. Dort ist auch von der Brücke die Rede.
Frauenturm und Frauentor.

Der Turm ist bei der Erweiterung der Stadt um 1250 gebaut. Um 1305 liest man vom Steintore und Steinturme ), so auch 1399, um 1400 vom Zittauer (Setischen) Turme ). Jetzt hat sich die Bezeichnung „Dicker Turm“ oder „Frauenturm“ festgesetzt. Man findet in neuerer Zeit die Meinung, er sei ursprünglich Schloßturm gewesen als ein Teil des landesherrlichen Schlosses, das in seiner Nähe stand. Aber dieses Schloß ist erst 1364 gebaut, so war er von Anfang an Stadtturm ). Die Stärke der unteren Mauer beträgt 5,34 Meter. Der Turm zeigt einen schlichten zylindrischen Bau, nur das oberste Stockwerk ist durch „Fachbodenblenden“ gegliedert; die Haube, deren Spitze ehedem viel höher war, baut sich von unten achteckig auf. Auf der Ostseite ist ein „heimliches Gemach“ angebracht. An der Nordseite nach der Steingasse zu ist vom Grunde aus in engster Verbindung mit dem Hauptturme ein schmales, rundes Türmchen bis zur halben Höhe desselben angebaut, in das von unten auf eine freie Treppe führt, die den Aufstieg zum Turm ermöglicht. Schon 1399 ist von einer Treppe an dem Turme bei dem Steintore die Rede ), sie steht wohl noch heute an dieser Stelle. In die Südseite ist seit 1856 das Wappen der Stadt, das früher am äußeren Frauentore angebracht war, eingeben; es wird umgeben von den Steinbildern der Maria und Barbara und zeigt die Inschrift: Invia virtuti nulla est via (Kein Weg ist für die Mannheit unwegsam) 1477. 1475 wurde dieses Wappen an den Steinmetz verdingt, 1478 erhält Meister Jorge Maler (wohnte Weberstraße 4, siehe oben S. 411) dafür Bezahlung ), 1420 erhält der Wächter auf dem Zittauischen Turme ein neues Horn ) (erst im Oktober 1904 wurden hier und auch auf den anderen Tortürmen die Turmwächter abgeschafft). Knauthe ) erzählt nach einer mir unbekannten Quelle: Der Turm habe seit Abbruch des Schlosses (1474) „unbrauchbar“ dagestanden und sei zerfallen. 1529 habe man ein Stübchen und Kammern für den Wächter eingebaut. Eine Glocke zog man 1532 auf und bestellte einen Wächter, der die Stunden nach dem Ratsseiger anschlug ). Bis auf die Haube hat sich seit fast 700 Jahren an dem Turm als solchem kaum etwas geändert.

Die Toranlage war dreifach: Das innere Tor gegen die Stadt war auf beiden Seiten mit der Stadtmauer verbunden und stand noch vor dem Turme in der Steingasse; das mittlere, über dem sich ein Gebäude befand und wo die Durchfahrt oben gewölbt war, hatte ein starkes, von Brettern gefertigtes und mit eisernen Schuhen versehenes Fallgatter, welches durch Räder abgelassen und wieder aufgezogen werden konnte. Das dritte war ein ansehnliches und starkes Gebäude (Bastei), welches aus dem Graben auf beiden Seiten mit starken Mauern und vorn gleich, auf den beiden Seiten aber rund aufgeführt war ). Dann folgte nach Süden die Brücke. 1595 baute man sie von Grund auf steinern, führte 3 Pfeiler auf und schloß darüber 2 Bogen. Unmittelbar am äußeren Tore war eine kleine Aufzugsbrücke, die 1772 durch eine steinerne ersetzt wurde ). 1778 wurde das Fallgatter abgetan. 1838 wurden die 2 inneren Tore nebst der Nagelschmiede, die im Süden neben der Annenkapelle lag ), abgebrochen, 1847 und 1848 das übrige Frauentor und die Brücke beseitigt und der Graben gefüllt.

Neißeturm und Neißetor.

Beide werden zuerst um 1315 erwähnt ), doch wurden sie sonder Zweifel schon bei Gründung der Stadt erbaut. Der Turm war nicht rund, sondern viereckig. Der Brand vom 12. Juni 1525 legte ihn darnieder. 1539 wurde er neu aufgebaut in der zierlichen und kunstvollen Gestalt, wie wir ihn auf der Stadtansicht von 1565 erblicken. Auf dem unteren Viereck wurde ein anderes, nach außen herausragendes errichtet, sodaß man sicher um den ganzen Turm gehen konnte. Hinter dem Gange war eine besondere Mauer gebaut, mit vier schönen Dachungen überhöht. Dahinter erhob sich die schlanke Spitze, dreimal durch umlaufenden Zierat unterbrochen. 1607 erneuerte man oben das Gesperre, 1676 wurde der steinerne Kranz vom Steinmetz Johann Pfister erneut. Am 30. April 1726 brannte der Turm wiederum aus; 1737 geschah der Neubau, der in der einfacheren barocken Form „mit einem Durchsichtigen“ erfolgte. Zimmermeister Georg Hamann, Maurermeister Samuel Suckert, Kupferschmied Andreas Heincke, Vergolder Goldschmied Müller waren beim Bau beteiligt. Weil der Turm den immer steigenden Verkehr arg beengte, wurde er 1836 abgebrochen, eine bedauernswerte Schädigung des alten Stadtbildes. Der Turm stand im Zuge der Stadtmauer, die hier nur einfach war.

Nach Norden hin lehnte sich an den Turm das innere Neißetor. Das andere stand hart an der Neiße und auf der Grundmauer, wo die Neiße vorbeistreicht, und über demselben war ein Gebäude errichtet. Die Toröffnung war für die hochgeladenen Frachten nach und nach unzulänglich geworden. Es kam vor, daß die Wagen einfach steckenblieben und nur durch Aufreißen der Pflasterung durchgebracht werden konnten. Schon längst hatte der Bürgermeister Demiani den Abbruch der Tore bei der Regierung beantragt, immer vergebens. Als wieder einmal ein Abgeordneter der Regierung in dieser Sache bei Demiani war, kam die Kunde von einer erneuten Verstopfung des Neißetores. Man begab sich an Ort und Stelle, und da gab die Regierung nach. (Der ganze Vorgang soll ein abgekartetes Spiel Demianis gewesen sein, der einen hoch geladenen Wollwagen für den Fall bestellt hatte) ). 1841 wurde der Überbau abgebrochen, die Seitenpfeiler standen noch bis 1857.
Der Neißeturm hat eine Einzelschrift erfahren durch Gustav Köhler, eine Arbeit, die freilich recht liederlich ist und deren Durchbesserung mir viel Mühe verursachte ).

Wie man an der Brücke links der Neiße durch die Tore fahren mußte, so auch rechts der Neiße, wo der Spitalturm eine schützende Bastei war. Die Petzoldsche Karte von 1714 zeigt gar nach Osten hier zwei Ausfahrten ).


Der Nikolaiturm und das Nikolaitor.

Die Gestaltung des Tores ist ähnlich wie am Frauentor. Die Toranlagen befanden sich zwischen Turm und Zwinger nach dem Karpfengrunde zu. Zunächst kam man von der Nikolaigasse durch das Tor der inneren Stadtmauer; in der Mitte stand ein Tor mit starkem Fallgatter zum Herablassen, das dritte am Graben und an der Brücke; wenn die Brücke aufgezogen war, „bedeckte sie das Tor“ ). Der Turm stammt natürlich aus den Anfängen der Stadt. 1348 gab es eine Hofestadt unter dem Nikolaiturme zwischen der Mauer; 1387 ein Haus zwischen Niklastor; 1389 einen Garten hinter Niklastor zwischen der Mauer ). 1391 wird auf dem Niklasturm ein Stübchen ausgebessert und ein Ofen gesetzt ). 1399 wird das Tor bei Niklas gebessert, als es verrücket war, daß man aus- und hereinkroch ). 1456 brannte die ganze Wehranlage ab, desgl. 1642 und 1717. Das Feuer konnte dem Turm nicht allzuviel schaden. Die vielen Einzelnachrichten über Erneuerungsbauten, Aufsetzen eines neuen Knopfes und einer Wetterfahne, über neue Glocken, wiederholen sich.. 1539 wurde ein Wächter, um die Zeit anzuschlagen, eingesetzt ). 1586 wurde der Wächter durch den Blitz erschlagen. Man ging sonst außerhalb des Turmes über der Stadtmauer auf einer Treppe hinauf durch eine in dem Turme befindliche Tür. 1752 wurde unten an dem Boden ein Tor als Zugang eingebrochen. Der Turm war wohl immer schlicht, derb zylindrisch aufgebaut. 1565 hatte er oben mehr Zierat und eine höhere Spitze. Jetzt wird er oben nur von zwei Gurtgesimsen umzogen. Seine Barockhaube ruht mit ihren 8 Säulen auf einem Dache, dessen rote Ziegel von überaus wirkungsvoller Farbenfrische strahlen. Seit 1683 blies man wohl auch bei Begräbnissen vom Turm. Im Tore war auf bretternen Tafeln Christus mit der Dornenkrone und seine Ausführung zur Kreuzigung abgemalt, damit die armen Sünder, die durch das Tor zur Richtstätte geführt wurden, Trost schöpfen konnten; die Bilder wurden 1747 abgetan. 1835 wurde die Brücke erweitert; 1848, „in dem großen Demolierungsjahre“, wurden die Toranlagen beseitigt ). Die Dicke der Mauern unten am Turme beträgt 2,86 Meter.
Die Nikolaibrücke bestand ursprünglich wohl aus Holz. 1586 wurde sie mit 3 steinernen Pfeilern und 4 Bogen gewölbt ). Eine hölzerne Zugbrücke füllte eine Öffnung unmittelbar vor dem Mauertore, die wohl auch 1772 abgetan wurde. Hinter dem Tore wurde 1586 eine „Klause“ gebaut für das Gesindel, das nach dem Sterben (Pest) so übermütig war ).


Pforte.

Die vier Tore waren ursprünglich die einzigen Stellen, wo man aus der Stadt heraus und in die Stadt hinein fahren und gehen konnte. Schon frühe machte sich das Bedürfnis geltend, im Südosten, am Ausgang der Webergasse eine neue Öffnung wenigstens für den Fußverkehr zu schaffen.

Die Viehweide (Park) und die Schützenhäuser konnten für die Mehrzahl der Einwohner eben nur mit großem Umwege durch das Frauentor erreicht werden. So findet man denn schon 1427 eine „neue Pforte“ in der Webergasse und 1431 eine Pforte bei der Webergasse ). Sie ist noch 1470 erwähnt ), wird aber dann geschlossen. Denn 1568, am 5. Juni, hat man nach eingeholter kaiserlicher Erlaubnis die neue Pforte, dadurch man auf den Rahmenhof und durch die Kahle auf die Viehweide gehet, erstlich eröffnet und eine schmale Brücke über den Graben gemacht ). Für das weitere Gäßchen nach der Kable zu erwarb der Rat Gelände. Vornehmlich hatten die Herren Schützen sich für die Öffnung eingesetzt, deren Zielstätten so leichter erreicht werden konnten. Wo man die Mauern durchbrach, stand schon 1377 und 1393 ein Weighaus, zu dem man auf einer Treppe aus der Webergasse stieg ). 1488 hieß die Bastei Hoesattels Bastei ). —

Auf der Karte von 1641 ist vor dem Mauerturme noch eine ziemlich starke Bastei im äußeren Graben zu sehen, so auch auf der Daniel Petzoldschen Karte um 1714. 1756 wurde westlich von ihr eine Maulbeerplantage angelegt. 1769 die hölzerne Brücke durch eine steinerne ersetzt. 1792 die Pforte erweitert und verziert. Aus dieser Zeit gibt es Abbildungen. Den Zustand von 1842 bildete Fr. Thieme ab ). Man las dort auch die Inschrift: Portam nimis olim angustam ac vetustam deformem amplificavit, refecit, ornavit senatus a. 1793 (Die einst allzu enge und alte unförmliche Pforte erweiterte, stellte wieder her und schmückte der Rat).

1845 ) wurde die alte Pforte weggerissen, auf ihren Trümmern eine Brücke über den Stadtgraben gewölbt und ein neues offenes Tor mit einer breiten Durchfahrt gebaut. Die Ressource und Kommerzienrat Gevers traten damals ein bedeutendes Stück von ihren Gärten für den Weg nach Süden ab. 1853 und 1854 geschah der Abbruch des erst 1845 erbauten Pfortentores und der Stadtmauer daselbst und eine Ausfüllung des Grabens. Der dadurch frei gewordene Platz hieß zuerst Bankplatz ).
Auch in den Vorstädten lagen Tore ).

1.
Das Spitaltor bei der Kirche zur L. Frauen und dem gegenüberliegenden Frauenhospital. Bei diesem Tore war durch eine Mauer eine Pforte,
2.    
Das Töpfertor am Anfang der Bautzener Straße.
3.    
Das Teichtor am nördlichen Ausgang der Brunnen- und Teichgasse.
4.    
Das Kreuztor am südlichen Teile der Schanze.
5.    
Das Finstertor, auch wohl Armesündertor ), steht jetzt noch vor dem Henkerhause.
6.
Das Niedertor, wo jetzt Rothenburger Straße 8 steht.
7.    
Das Kutteltor oder das Tor am nördlichen Ausgange der Hotergasse.
8.    
Das Hotertor am südlichen Ausgange der Hotergasse.
9.    
Die Wasserpforte, auch wohl Neißepforte, durch die man auf die Bleichen ging.
10.    
Das Laubaner Tor hinter Stadt Breslau, wo sich die Laubaner Straße von dem Wege nach Bunzlau scheidet.
11.    
Das Rabentor, dicht vor der Abzweigung des Weges nach dem Scultetushofe von der Prager Straße (Scultetusweg).
12.
Die Ochsenbastei in der jetzigen Uferstraße (siehe oben S. 544). Uebrigens hieß nach Knauthe ) auch das Laubaner Tor bei Stadt Breslau Ochsentor. Auch diese Tore wurden um 1770 noch verschlossen, so daß man von „verschlossenen Vorstädten“ sprach.