Salzhaus

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Es stand bis 1851 auf dem Obermarkt etwas abwärts von der Stelle, wo jetzt das Kaiser-Wilhelm-Denkmal seinen Platz hat. Nach den Chroniken soll es 1407 gebaut sein; anfangs habe es das Neue Haus geheißen und sei zum Rathause bestimmt gewesen. Erwähnt fand ich es zuerst 1424 und 1434 ). Im Januar 1451 war neben dem Salzhause für den berühmten Franziskanermönch und Prediger Capistran ein Predigtstuhl errichtet, von dem er 15 Ansprachen hielt, die, ins Deutsche übersetzt, das Volk in gewaltige Bewegung setzten. 1535/36 wurde es zu einer Tanzlaube und einem Kauf- und Gewandhause ausgebaut: man wollte dem gemeinen Manne einen Tanzsaal darbieten; denn der Tanzsaal auf dem Rathause war für die vornehmen Herren bestimmt ). Bis 1767 trug es zwei hohe, spitzige Giebel, die damals abgerissen und durch ein Walmdach ersetzt wurden ). Von Osten und Westen führten von außen Treppen in das erste Obergeschoß, von denen man durch zwei Barockportale in das Innere gelangte. An dem Hause befanden sich als Getreidemaß ein Steinerner Scheffel und steinernes Viertel, auch leichtgebaute Läden, die 1848 abgebrochen wurden. In einem geräumigen oberen Saale hielten einheimische und auswärtige Tuchmacher ihre Waren feil. Die Salzniederlage in dem Erdgeschosse, die bald nach 1815 der Stadt genommen wurde, kam damals in das Rent (Waid-) haus, in dem Salzhause aber brachte man im zweiten Stock Militärausstattungsstücke unter. Zu Marktzeiten hing vom Salzhause so lange der Markthut aus, als nur den einheimischen Nichthändlern der Kauf gestattet wurde.-

Auf dem Obermarkte, westlich vom Salzhause, stand auch bis 1847 die Hauptwache. Sie war 1676 errichtet, wurde 1704 erweitert und 1740 steinern gebaut. Eine ältere Wache befand sich 1640-1650 nördlich der Klosterkirche. Die Hauptwache kam 1850 in den Kaisertrutz. - Auch bürgerliche Wachstuben gab es: im 14. Jahrhundert auf dem Turm der Peterskirche, wo troni oder Höfe, d.h. kleine Aussichtsstuben, angebaut waren. Eine ständige Wachstube war seit alter Zeit im Rathause, westlich sich anschließend an die Rathaustreppe. Dort gab es wenigstens im 18. Jahrhundert auch Feuerwächter, welche alle Stunden durch die Stadt gehen, an vierzehn Stellen singen, auch durch Frage und Antwort vor und auf den vier Stadttürmen sich überzeugen mußten, daß die Wächter oben „wohl wachten“ ). Von der Rathauswache gingen auch zu Zeiten „Diebeswachen“ zur Nacht aus, die an gewissen Stellen in ein Hörnlein bliesen.-