Rothenburger Straße

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Rothenburger Straße. Ihr Name ist so alt wie der ihrer Schwestern, der Bautzener (Reichenbacher), Zittauer und Laubaner Straße. Sie trug aber früher, sobald sie ins eigentliche Stadtgebiet eintrat, den Namen Galgengasse; diese Bezeichnung wurde 1849 abgeschafft und der Name Rothenburger Straße weiter nach Süden gezogen. Freilich reichte sie als Hauptstraße zunächst nicht ganz bis an den Nikolaigraben, sondern endigte an der Großen Wallgasse. Von da ab nach Süden bis zum Nikolaigraben war zwar ein Durchgang, aber nur für Personenverkehr oder leichte Wagen. Dieser Durchgang hieß die Krumme Gasse, wo am 24. April 1557 sieben oder neun Häuser abbrannten ), desgl. 1808 am 22. Mai, wo die Teichmühle und 19 Häuser in Flammen aufgingen. Die schweren Fuhren mit Holz aus den Heidegegenden, aber auch solche mit Kaufmannsgut aus weiterer Ferne bogen, von Norden kommend, in die Große Wallgasse westlich ab, um dann durch die Boggasse hindurch das Nikolaitor zu durchfahren. So war die Große Wallgasse in ihrem westlichen Teile eine Hauptstraße, die vornehmlich an Markttagen, aber auch sonst großen Verkehr zu bewältigen hatte.  Sie war aber ehedem sehr eng und unbequem zu passieren.  Der wachsende Verkehr seit Ende der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts zwang daher die Stadtverwaltung, die Gasse möglichst zu verbreitern und zu ebnen. So wurde 1841 ) ein ziemlicher Teil derselben nach Norden vorgeschoben, indem man von der Wüstige ) dem Tuchmachermittel ein Stück abkaufte, es abgrub und eine Futtermauer von 160 Fuß Länge und 10 Fuß Höhe errichtete. 1848 wurden ferner zur Verbreiterung des Geländes Häuser abgebrochen, gepflastert und dergleichen.

Etwas nördlich von der Einmündung der Großen Wallgasse in die Rothenburger Straße (jetzt Rothenburger Straße 8/9) stand seit sehr alter Zeit das Niedertor ), 1533, 1600, 1650 und 1675 auch Galgentor ). Es wurde 1852 abgerissen, nachdem schon 1838 die Straße daselbst verbreitert worden war ).

An der Rothenburger Straße legte die Stadt nach dem großen Weltkriege viele neue Siedlungen an, hinter Stadt Düsseldorf (jetzt Lindengarten) Nr. 1-36, ebenso nach Rothenburger Straße Nr. 50 zu. Auch am Hirschwinkel wurde viel gesiedelt, derart, daß der ursprünglich kleine Stadtteil „Am Hirschwinkel“ nunmehr vom Nikolaigraben bis zur Rothenburger Straße gezogen ist ).

An der Rothenburger Straße befand sich eine Kapelle, deren verwitterte Überbleibsel (Kreuzigung Christi) jetzt noch, seit 1852 in die Mauer eingelassen, zu sehen sind. Die Kapelle hat ihren Ursprung von der Sühne eines Mordes im Jahre 1545. 1678 ließ der Scharfrichter Lorenz Straßburger das Bild der Kreuzigung Christi dort einsetzen. Zwei sagenhafte Erzählungen schlossen sich an die Kapelle an ).

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