Pilzläuben

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Untermarkt 18 und 17 sind jetzt durch einen Neubau aus dem Jahre 1902/03 zum Rathause geschlagen. Sie bildeten die Pilzläuben, deren malerisches Gepräge durch Photographien festgehalten ist. Sie tragen ihren Namen, weil dort die Heideleute ihre Beeren und Pilze verkauften. Vor ihnen, nach Osten zu, hielten Montags und Freitags die Platzbäcker (Dorfbäcker) auf Wagen hausbackenes Brot feil. Jedes Haus unter den Pilzläuben hatte zwei Laubenbogen und über dem Erdgeschoß noch zwei Stockwerke. Es fanden sich noch etliche Bauspuren aus dem 16. Jahrhundert, ein Laubenpfeiler von Nr. 17 trug die Jahreszahl 1545; die Hauptstilform in Fenstern, Aufgängen und Stuckdecken stammte aus der Barockzeit (das Portal von Nr. 18 trug die Jahreszahl 1721). Das wuchtige Barockportal von Nr. 17 wurde 1902 für den Nebeneingang zum Rathause in der Langengasse verwandt. Untermarkt Nr. 18, zu dem Hellegasse 18 gehörte, hatten im Besitz um 1415 der oft genannte Ratsmann Jacob Weitschreiber, 1472; 1491 Hans Marienam, der einer namhaften Görlitzer Familie angehörte, 1622 und 1632 Franz Beyer (gest. 1642), der Pfaffendorf besaß, seit 1763 Andreas Heinrich Lerche (siehe oben unter Hirsch), 1781 und 1820 Johann Gottfried Uhse, ein reicher Kaufmann, der zur Blücherschen Kontribution nicht weniger als 3000 Taler geben musste ). 1829 bekam das Haus durch seine Frau, eine geborene Uhse, der Geheime Regierungsrat Karl Gottlieb Behrnauer, ein verdientes Mitglied der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, erfahren auf dem Gebiete der Astronomie. Er war in Görlitz Landsyndikus, dann Bürgermeister in Zittau, Oberamtsvizekanzler in Bautzen und starb 1831 als preußischer Geheimer Oberregierungsrat. Seit 1829 besaß das Haus der Stadtphysikus Dr. Bauernstein. 1896 kaufte die Stadt den Hof. - Besitzer des Hauses Untermarkt 17, wozu Hellegasse 19 gehörte: der sehr wohlhabende Hans Böttner (gest. 1492), mit dessen Erben die Stadt Görlitz wegen verhaltener Steuern in einen ärgerlichen Prozeß geriet, der Görlitzer Stadtschreiber Johann Brambst (1585). In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wohnten hier Glieder der bekannten Familie Meirich, dann die Rothe, dessen bekannterer Vertreter Bürgermeister Dr. Gottlob Wohlgemut Rothe (gest. 1782) Herr auf Lissa, Sercha und Grund war. 1895 kaufte es die Stadt.

 

historischer Pressespiegel:

Die Pilzläuben und ein neu aufgedecktes Wandgemälde in Görlitz