Peterstraße 8

Chronologisch geordnet gehört das Gebäude Peterstraße 8 an die zweite Stelle der Görlitzer Renaissancebauten.
Es wurde 1528 (2 Jahre nach dem Schönhof) unter Wendel Roßkopf d.Ä. für den Bürgermeister und Kaufmann F. Schneider errichtet.
Die Fenster mit ihren kannelierten Pilastern und entsprechenden Kapitellen, horizontalen Gesimsen und einer verkröpften Faszie folgen dem Roßkopf´schen Formenrepertoire. Auch das Portal trägt alle Elemente der Görlitzer Frührenaissance.
Im Inneren, obwohl zeitgleich errichtet, finden sich bemerkenswerte gotische Details. Insgesamt folgt das Haus noch dem gotischen Grundrissprinzip des Görlitzer Hallenhauses. Interessant ist das Gewölbe der Haushalle, welches als Schlingrippengewölbe ausgeführt ist und in Konstruktion und Gestaltung dem Gewölbe des Wladislawsaales auf dem Prager Hradschin folgt. Wendel Roßkopf hat genau dort sein Handwerk erlernt.
Von der Haushalle erreicht man den obligaten Renaissancesaal (Zunftsaal), der noch heute mit einer Holzbalkendecke der Bauzeit ausgestattet ist. Eine weitere bemalte Decke befindet sich im Erdgeschoss, im Raum der Rezeption des Hauses.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Nr. 8 (313), Eckhaus nach der Peterskirche, stammt laut der Beschriftung aus dem Jahre 1528. Das ganze Haus hat eine vornehme Wirkung. Das Portal ähnelt dem der Goldenen Krone in Breslau. Verwandtschaft mit dem zwei Jahre älteren Schönhof kommt kaum zu Tage. Im Innern zeigen sich im ersten Geschoß „gewundene Reihungen“. Das Hinterhaus nach dem Waidhause zu ist neu aufgebaut, doch wurde das Porträt und die Hausmarke des Erbauers mit den Buchstaben F.S. (Franz Schneider) wieder eingesetzt. Das Bild bezog und bezieht der Görlitzer Volksglaube auf Johannes Tetzel. Das Haus galt als eines der vornehmsten der Stadt. Die Besitzer sind noch nicht durchweg erforscht. Es wohnten dort Bartholomäus und Augustin Hirschberg etwa von 1472 bis 1480, Caspar Canitz etwa 1485 bis 1510, Franz Schneider (gest. 1560), bekannt aus der Reformationsgeschichte. Er hat denn auch 1528 den Hof in der jetzigen Gestalt ausgebaut. In Joachim und Hans Frenzel fand er Nachfolger bis 1603. 1675 finde ich den Ratsherrn Magister Georg Neumann, der 1698 mitten in seinen Amtsgeschäften plötzlich auf dem Rathause starb, dann den Bürgermeister Johann Christian Neumann (gest. 1736) auf Mittelgirbigsdorf III, dann 1750 die Johanne Dorothea, geb. Neumann, Witwe des Arztes Friedrich Ehrenhold Nicius (gest. 1745), dann 1775 Johanne Dorothea, geb. Nicius, Witwe des Dr. Christian Traugott Isaak (gest. 1779), 1790 Franz Samuel Straphinus, 1813 den Stadtrichter Johann Samuel Straphinus, 1816 die verwitwete Frau Pastor Sternberg, geb. von Linnenfeld. Zum Schluß des Jahres 1840 ging das Haus an den Spitz- und Pudritzkrämer Ernst Benjamin Adam Gerste über; er und seine Nachkommen hatten dort eine große Tabakfabrik.