Peterstraße 4

Das Görlitzer Gebäude Peterstrasse 4 ist in mehrerlei Hinsicht interessant. Zum Einen trägt das Gebäude eine Fassade mit den typischen Merkmalen des Görlitzer Barock – mittiger flacher Risalit mit über der Traufe stehendem Giebel (vgl. Museum Neißstraße 30).
Die jetzt erlebbare Fassung geht auf den Zustand der Fassade im Jahr 1720 zurück, wurde 1880 umgestaltet und 1958 bei Restaurierungsarbeiten wiederhergestellt. Bemerkenswert sind das Portal mit dem verkröpften Sprenggiebel und der mittigen Kartusche.
Zum Anderen findet man im westlichen Teil des Hauses eine vierflüglige Hofanlage mit, von massiven Sandsteinbrüstungen begrenzten, Umgängen, welche einige Parallelen, z.B. die wuchtigen barocken Konsolen, zu der Gestaltung der Haushalle im Biblischen Haus aufweist.
Der dritte interessante Fakt ist einer der ehemaligen Bewohner. In diesem Haus wohnte von 1570-1614 Bartolomäus Scultetus, einer der berühmtesten Görlitzer Humanisten. Von hier aus führte er einen intensiven Briefwechsel mit dem Prager Hofastronomen Tycho Brahe, den er in seiner Leipziger Studienzeit kennen lernte und mit dem ihn ein freundschaftliches Verhältnis verband.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Nr. 4 (278) ist in der Straßenseite 1880 modern gestaltet, es zeigt ein wuchtiges Barockportal; eine malerische Wirkung haben in den beiden Obergeschossen des Hofes die Laufgänge, die auf schlichten, weit vorspringenden Kragsteinen ruhen. Soviel ich sehe, stammen sie aus dem 16. Jahrhundert. Für die Oberlausitzer und Görlitzer Geschichte ist das Haus denkwürdig, weil hier von 1570 bis 1614 der berühmte Bartholomäus Scultetus (gest. 1614) wohnte. Dem Besitzer Gottfried Igel wurde 1691, 1692 und 1693 wegen Brandschadens, den das Haus genommen, das Geschoß erlassen. Von 1761 bis zu seinem Tode 1809 lebte hier Daniel Gottlieb Hartmann, der 1797 als Bürgermeister in den Ruhestand trat, 1849 kaufte das Haus Julius Neubauer, dessen Familie noch jetzt in Görlitz weilt, 1872 gründete hier Julius Arnade (gest. 1915) seine Lederzeug- und Kofferfabrik, die, nach Moys verlegt, allmählich sich zu einer der größten in Deutschland entwickelte, seit 1879 gehört das Haus der Firma Rosenthal & Groß.

 

Splitter:

Restaurationen / Gaststätten  
Quelle Rubrik Name Adresse
AB 1938/39 Gaststätte Enge Weste Peterstraße 4

Literatur:

weiterführende Texte: