Obermarkt 8

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Obermarkt 8 (95) gehörte zu den schon oben berührten Häusern am südlichen Obermarkt, deren Gestalt sich über 300 Jahre bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts erhalten hatte.  Die vorhandene Abzeichnung aus dem Jahre 1796 weist auf eine Bauzeit um 1540 hin. Sie zeigte eine Renaissancepforte und einen hohen Straßengiebel; das Nähere ergibt das beigegebene Bild. Das Ganze war vor dem Neubau ein „ehrwürdiger alter Bau, der aber eigentlich eine Ruine war“. Die Bauart erinnerte an den Ostteil von Obermarkt 3. Das alte Haus wurde 1830/31 abgerissen und in der heutigen Form neu aufgebaut. In diesem Hause begann der Sattler Johann Christoph Lüders 1830 sein Wagenbaugeschäft, das er 1849 in die Brunnenstraße verlegte und das sich dann zu der großzügigen Eisenbahnwagenbauanstalt entwickelte. Früher hieß das Haus der Näthersche Brauhof, genannt nach dem Besitzer Zacharias Näther (1747-1821), der als Silhouettierer und Zeichner einen Ruf hatte und auch eine Weltsprache (Pasigraphie) erfand. 1839 wurde hier ein Gasthof Zum Preußischen Hof eingerichtet, wo am 21./22. Juli 1855 der spätere Kaiser Wilhelm übernachtete. Seit 1870 ist das Haus im Besitze des Weinhändlers Julius Neubauer und seiner Erben. Frühere Besitzer waren der Kaufmann Christian Förster (gest. 1710), der Stadtrichter Tobias Grantz (gest. 1733), cand. jur. und Stadtwachtmeister Christian August Wiedemann um 1750, der Advokat Gottlob Samuel Isaac (gest. 1780).