Obermarkt 32

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Obermarkt 32 (134) oder Fleischergasse 19 ist jetzt durch eine Schenkung des Stadtrates Dietzel (gest. 1897), der seit 1852 im Besitze war, in den Händen der Stadt. Das Grundstück bildete ehedem zwischen den Fleischbänken und der Plattnergasse (Plattnergasse 2 gehört jetzt noch dazu), zwischen der Langengasse und dem Obermarkte (Brüdergasse) ein „besonderes Stadtquartier“ in großem Ausmaße. An dem Hause ist sehr viel gebaut. Die Pilaster, die das zweite und erste Obergeschoß verbinden, sowie etliche Fensterrahmungen weisen auf den Barockstil von 1720, doch finden sich nach Westen zu an den Fenstern noch gotische Ueberschneidungen, dann an der Marktseite ein Rundportal von 1571 und nach Westen zu ein schlichter, erkerartiger Vorbau, dessen mittelster Kragstein die Buchstaben H G trägt mit der Jahreszahl 1542 und einer Hausmarke. Die Buchstaben gehen vielleicht auf den damaligen Besitzer Hans Schnorre, denn die Formen des G und S ähneln sich auch sonst.

Das Haus ist ein uralter Brauhof und vornehmer Gasthof, der vornehmlich in den Zeiten vor dem Dreißigjährigen Kriege eine Rolle spielte. Er war benannt Goldner Adler. Hier wohnte Martin Lauterbach, der in der Pulververschwörung 1468 hingerichtet wurde. Von etwa 1575 gehörte der Gasthof dem Bürgermeisterssohn Onuphrius Schnitter, bei dem zahlreiche vornehme Personen einkehrten, so 1587 der bekannte Kryptocalvinist und Schwiegersohn Melanchthons, Dr. Kaspar Peucer, so Melchior von Rädern auf Friedland, der spätere Türkenbesieger, so der hochgebildete Christoph von Schleinitz, der 1592 die vier Görlitzer Bürgermeister zu Gaste in das Wirtshaus lud ). Nach dem Tode der Witwe Schnitters (1611) besaß das Haus Emanuel Friedrich Scultetus, der Sohn des Bartholomäus Scultetus, 1658, 1675 der Gastwirt Christoph Troppaniger, 1703 wurde von Neißegasse 29 die Post hierher verlegt, und zwar von Augustin Kober (gest. 1737). Augustins Nachkomme, Friedrich Gottlob Kober, nahm die Post 1776 nach seinem neuerkauften Brauhofe Neißegasse 30 hinüber. 1840 kaufte den Hof Friederike Emilie, geb. Vollhardt, Frau des Buchdruckereibesitzers und Stadthauptmanns Dreßler.

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