Obermarkt 31

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Obermarkt 31 (133), auch Fleischergasse 1, seit 1829 als zweite Apotheke der Stadt eingerichtet; das Haus fand ebenfalls sein jetziges Gepräge nach dem Brande von 1717. Es hat zwei Obergeschosse und einen Dachaufbau mit geschweiftem Abschluß, gekrönt von einer zierlichen Vase. Die oberen Geschosse sind durch drei verjüngte Pilaster zusammengehalten, das Erdgeschoß ist neu eingerichtet und trägt zwei Löwen und eine weibliche Figur, wohl die Hygiea. Ueber den Fenstern der Obergeschosse sind unter wechselnden Verdachungen schöne Schnörkelschilder angebracht. Die beiden Balkone nach der Fleischergasse, deren Geländer aus gegossenem Zink bestehen, stammen aus dem Jahre 1832.

Die Besitzer habe ich zunächst bis 1540 zurückgeführt. Ich nenne: den Handelsherrn George Heldreich (gest. 1549), dessen Familie noch jetzt Bellwitz bei Löbau besitzt; den Bürgermeister Caspar Stetzel, der von 1568 bis zu seinem Tode 1603 im Rate saß und der die Witwe des gleichnamigen Sohnes George Heldreichs geheiratet hatte; den Urenkel des zuerst genannten Georg H., den Ratmann und Schöppen Hans Heldreich auf Schlauroth und Holtendorf (gest. 1626); dann den Görlitzer Schöppen und Kaufmann Georg Sommer (gest. 1657); dann seinen Sohn, den Bürgermeister Andreas Sommer (gest. 1691) auf Zodel, Lissa und Nieder Sohra; dann seine Witwe Margarethe, geb. Straphinus, dann den Bürgermeister Franz Straphinus (gest. 1728), Herrn auf Lissa und Rauschwalde, der den Aufbau in den Barockformen vornahm; 1775 den Kaufmann und Aeltesten der Würz- und Seidenkrämer Joh. Gottlob Göldner, dem der Lederhändler Christian Gottlieb Knebel folgte. Sein Sohn, der Dr. med. Immanuel Gottlieb Knebel (1772-1809) wirkte hier in Segen als Arzt, war auch zugleich ein sehr tätiges Mitglied der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften. Seit 1810/11 findet sich Karl Heinrich Bauer als Besitzer, seit 1829 der Apotheker Leopold Pape, dem seit 1832 die Apotheker Wilhelm Mitscher, seit 1859 Staberow, seit 1871 bis 1892 Otto Körner folgten. In den lichten, sehr wohnlich eingerichteten Räumen nahm Friedrich der Große 1745 und 1757 Quartier, ebenso sein Gegner, der sächsische Kurfürst Friedrich August II. An dem Prellsteine an der Ecke der Fleischergasse steht die Jahreszahl 1718, und das wird die Zeit des barocken Neubaues sein. Zu dem Hause gehört auch als Seitenhaus Fleischergasse Nr. 2. Fleischergasse Nr. 1 trägt oben den „Klötzelmönch“, auch die Beschriftung ASAZ (Andreas Sommer auf Zodel) 1687, Nr. 2 die Nonne; an Klötzelmönch und Nonne rankt sich eine Görlitzer Sage  ).