Obermarkt 29 (Napoleonhaus)

Das Gebäude Görlitz, Obermarkt 29 ist der bedeutendste erhaltene Barockbau des Platzes. Er wurde 1718 für den Berliner Leinengroßhändler Wilhelm Schaumburg errichtet.

Die Fassade besitzt in beiden Obergeschossen sieben Fensterachsen, von denen die beiden seitlichen unter gemeinsamen plastischen Giebelschmuck gekoppelt sind. Die drei Mittelachsen sind durch vier Pilaster über dem Gurtgesims oberhalb des Erdgeschosses und durch stark plastische Giebelzier und einen Balkon aus Sandstein über dem Korbbogen des Portals hervorgehoben. Das Haus besitzt eine über die gesamte Tiefe reichende gewölbte Eingangshalle.

In den Dielen der Obergeschosse sind bemalte Holzbalkendecken und im 1. Obergeschoss zweifarbig marmorierte Säulen zu finden. Im 1. Obergeschoss sind auch barocke Stuckdecken erhalten. Mehrfach logierte Napoleon in diesem Haus und hielt, auf dem Balkon stehend, am 20. August 1813 Heeresschau.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Obermarkt 29 (131), das „bedeutendste“ Barockhaus auf der Nordseite des Obermarktes, mit vornehmer Achsenteilung, mit einem Balkon auf Säulen, die, über Eck gestellt, das Portal flankieren, und der Jahreszahl 1718, auch reichem, trefflich modelliertem Figurenschmuck auf den geschwungenen Fensterverdachungen. Ueber dem zweiten Stockwerke erhebt sich ein Dachausbau mit dreieckigem Giebel, in dem ein Ochsenauge angebracht ist. Von dem Balkon hielt 1813 am 20. August Napoleon Heeresschau; in dem Hause weilte der russische Kaiser Alexander und vor dem Hause Friedrich Wilhelm III. Um 1675 war Besitzer Johann Wilhelm Gehler (1649-1713) auf Sohrneundorf, der Sohn des berühmten Bürgermeisters Bartholomäus Gehler (gest. 1671), seit 1714 Johann Wilhelm Schaumburg, Kaufmann aus Berlin, der das Haus in der jetzigen Gestalt nach dem Brande von 1717 erbauen ließ, dann seine Witwe und Tochter, verheiratete Johann Gottlob Volkammer. 1802/03 kaufte es Karl Gottlob Anton als wirtschaftlicher Träger der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, um für diese einen Sitz zu schaffen. Da sich die Räume vornehmlich wegen Vermehrung des Buchvorrats nicht eigneten, veräußerte man unter Verlust das Haus an August Christof von Linnenfeld auf Berna und Kunnerwitz, dieser 1810 an den Landesältesten Johann Heinrich Gottfried von Nostitz auf Ullersdorf; der verkaufte es 1822 an den Fiskus der dort ein Steueramt einrichtete und es 1880 an eine Privathand weiterveräußerte.

 

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