Obermarkt

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Er ist jünger als der Untermarkt und ist etwa 1250 angelegt. Seine Gestalt ist ein Rechteck, doch buchtet sich die Nord- und ein wenig auch die Südseite ein, so daß man von einer Art Oval sprechen kann. Da solche Gestalt auch bei vermiedenen anderen Straßenfluchten bemerkbar ist, so kann man an einen gewissen Zweck, wohl den der Uebersicht, denken. Den Obermarkt und die sich anschließenden Gassen faßte man im 14. Jahrhundert auch unter dem Namen Neustadt zusammen. So liegen die Fleischbänke in der Neustadt ). 1401 fand ich zuerst den Namen Neumarkt. Später heißt wohl auch der westliche Teil Oberneumarkt; 1717 brannte der halbe Neumarkt und der halbe Obermarkt ab. Dann hat sich der Name Obermarkt für den ganzen Platz festgesetzt. 1848 war der alte Name so verschwunden, daß man das neue in der südlichen Vorstadt gelegene Gelände, das wir seit 1871 Wilhelmsplatz nennen und das man zunächst für einen Verkaufsplatz bestimmte, als Neumarkt bezeichnete.

Schließlich war auch vor dem Goldnen Adler auf dem Obermarkte bis 1856, wo er hinter den Schwibbogen versetzt wurde, ein Kunstbrunnen aufgestellt. Er stammte aus dem Jahre 1590. Wohl 1668 wurde er mit dem Wappen der damaligen Stadtgewaltigen Christian Moller v. Mollerstein, Karl (nicht Christian) Förster, Bartholomäus Gehler und Elias Diettrich verziert. Die Bilder sind mit Erneuerung des Beckens verschwunden, doch gibt es eine Zeichnung von 1725. Der Schild, der jetzt das kurfürstlich-sächsische Wappen trägt, hatte sicherlich ursprünglich das böhmische Wappen. 1673/74 arbeitete der Maler Johann Geysius mit dem Steinmetzen Hans Pfüster und dem Bildhauer Johann Anton an dem Brunnen ).

Der Obermarkt diente hauptsächlich dem Getreidehandel. Der war bis 1815 ganz bedeutend. So war um 1700 die Zufuhr so groß, daß kaum der Platz genug Raum bot  ). Am 19. Juli 1804, einem Donnerstage, standen dort nicht weniger als 754 mit Getreide beladene Wagen. Die Absperrung der Grenzen nach Sachsen und insonderheit nach der West- und Südoberlausitz änderte das seit 1815 vollständig. Aber als seit dem 1. Januar 1834 der segensreiche Zollverein in Wirkung trat, stieg wie mit einem Schlage die Zu- und Abfuhr gewaltig, bis dann bald nach 1870 durch die veränderten Wirtschaftsbedingungen dieser Handel abflaute  ).

Sonst standen noch die Stricker und Strumpfverkäufer, die Büttner, die böhmischen Bauern mit ihren Brettern, die Leute von Rothwasser mit Schindeln, Leitern, Schemeln, Besen und Kien und dgl. Holzsachen auf dem Markte, meist nach Westen zu. Außerdem waren auch an der Klosterkirche und an der Salzkammer Läden angebaut, worin die Handwerker als Büchsenmacher, Sporer, Schlosser, Riemer, Feilhauer, Sattler und dergleichen ihre Waren zum Verkauf auslegten, aber auch sonst ihre laufenden Arbeiten verrichteten.

 

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