Nonnenstraße

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Sie heißt um 1305 und später auch Schwestergasse; so gibt Odilie, eine Nonne, einen Hof in der Schwestergasse auf. Daneben kommt auch schon um 1305 der Name Nonnengasse vor ). Seit etwa 1380 setzt sich der Name Nonnengasse (platea monialium) fest. Von den Schwestern, die hier Häuser hatten, stammten etliche aus Bautzen, Ostritz, Rothenburg, Kamenz, Goldberg, Nikolausdorf, zwei (Agnete und Czille) heißen von der Landeskrone (1358/59). Diese geistlichen Frauen bildeten den dritten Orden der Franziskaner; sie blieben in ihrem Besitze und in ihrem bürgerlichen Leben, auch in der Ehe. Ich fand sie noch 1496 erwähnt ), sie erscheinen aber damals nur noch vereinzelt. 1340 liest man auch von einer Elfe gardianinna, also einer Vorsteherin der Nonnen ). 1467 heißt ein Chor in der Peterskirche der Nonnenchor, 1468 gibt es eine Nonnenkapelle beim Turme der Peterskirche  ). - In dem verlorenen lib. exactionum von 1403 hatte die Nonnengasse 45 Wirte (Häuser), sie muß damals also eine größere Ausdehnung gehabt haben. 1559 umfaßte sie 17 Häuser  ). 1728 reichte die Gasse bis zur heutigen Klostergasse, die Fortsetzung nach Osten und Norden bis zum Schwibbogen hieß damals Hinter dem Kloster. Später bis 1855 hieß auch der letztgenannte Teil noch Nonnengasse. 1855 schuf man bei der neuen Straßennummerierung die Namen Klosterplatz und Klosterstraße, eine Straße, die ursprünglich bis zur Schützenstraße, also weit nach Süden ging. 1871 gab man dem südlichen Teile, dem Teile von der Elisabethstraße aus, infolge der Ernennung Bismarcks zum Ehrenbürger der Stadt den Namen Bismarckstraße. Wie weit und ob überhaupt die Nonnengasse durch den Abbruch des herzoglichen Schlosses 1474 verändert ist, bleibt der Forschung vorbehalten. Jetzt hat sie nur 19 Nummern. Baulich zeigt die Nonnengasse, deren nördliche Häuser früher zum Teil auch Hinterhäuser des Obermarktes waren, jetzt nichts Bemerkenswertes.

Die Nummern 14 (30) und 16 (32) trugen früher Giebel aus dem 16. Jahrhundert, vor Nr. 15 (31), die einen Spitzgiebel hatte, stand eine Pumpe. In Nr. 4 (81 a) war ein alter Stein zu sehen mit der Aufschrift: 1566. Heute mir, morgen dir. In Nr. 5 (81 b) wohnte der Buchbinder und Buchhändler Jacob Rohrlach (gest. 1710) ), in Nr. 7 (81 d) (die Häuser 5, 6, 7, 8 lagen lange Zeit nach 1750 wüste) Caspar Gottlieb von Rodewitz (gest. 1721), der Bildhauer des reizvollen Barockaltars in der Klosterkirche ); in Nr. 8 (81 e) der Petschaftstecher Christian von der Fechte um 1675 ), in Nr. 16 (32) trieben ihr Geschäft die Buchdrucker Christoph (gest. 1677), Michael (gest. 1729), Jacob (gest. 1735) Zipper ); Christoph war aus Wittstock 1663 eingewandert und hatte sein Geschäft zuerst in der Krischelgasse.

Nr. 19 (34, Eckhaus Klosterplatz 14), jetzt zusammengebaut mit Nonnenstraße 18, war bis 1722 ein Brauhof. Hier, in Peter Löschens Haus, hielten die Verschwörer 1525 ihre Beratungen, bis sie dieselben nach Langengasse 12 (162) zu Peter Liebig verlegten ). In dem Hause wohnten 1534 bis 1578 Peter und Andreas Canitz, 1579-1592 Peter Ritter, 1592-1608 Friedrich Marschner, 1609-1622 der Maler Peter Ritter, 1628 Gregor Richter, wohl der Sohn des bekannten Pastors primarius Gregor Richter, 1648, 1682 Georg und Karl Emmerich, 1699 ff. Tobias Schnitter (gest. 1734), 1718 Theophilus Feige, Besitzer des Vorwerks Scultetushof (gest. 1734), 1739 bis um 1775 der Maler Johann Christof Büttig, 1779-1871 die Familie Rechenberg in mehreren Generationen, dann der Fleischermeister Hermann Nitschke, der jetzt noch das Haus besitzt.