Nikolaiturm

Der Nikolaiturm war bereits vor der Stadterweiterung 1250 Bestandteil der Stadtbefestigung.
Wie Reichenbacher Turm und Dicker Turm war auch er Teil eines Stadttores, welches 1848, nachdem man gerade 13 Jahre zuvor die Brücke erweitert hatte, abgebrochen wurde. Es befand sich zwischen Turm und dem jetzigen Zugang zum Nikolaizwinger.
Seine derzeitige Haube erhielt der Turm erst im Barock, bis dahin trug er ein schlankes, sehr steiles Dach. Ursprünglich erreichte man die oberen Räumlichkeiten des Turmes über eine außenliegende Treppe. Der ebenerdige Zugang durch die an dieser Stelle 2,86 m dicke Mauer entstand erst 1752.
Heute beherbergt der Turm eine interessante Ausstellung zur Geschichte der Stadt, u.a. eine Sammlung historischer Schlösser und Beschläge, Leuchten, …

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Der Nikolaiturm und das Nikolaitor.

Die Gestaltung des Tores ist ähnlich wie am Frauentor. Die Toranlagen befanden sich zwischen Turm und Zwinger nach dem Karpfengrunde zu. Zunächst kam man von der Nikolaigasse durch das Tor der inneren Stadtmauer; in der Mitte stand ein Tor mit starkem Fallgatter zum Herablassen, das dritte am Graben und an der Brücke; wenn die Brücke aufgezogen war, „bedeckte sie das Tor“ ). Der Turm stammt natürlich aus den Anfängen der Stadt. 1348 gab es eine Hofestadt unter dem Nikolaiturme zwischen der Mauer; 1387 ein Haus zwischen Niklastor; 1389 einen Garten hinter Niklastor zwischen der Mauer ). 1391 wird auf dem Niklasturm ein Stübchen ausgebessert und ein Ofen gesetzt ). 1399 wird das Tor bei Niklas gebessert, als es verrücket war, daß man aus- und hereinkroch ). 1456 brannte die ganze Wehranlage ab, desgl. 1642 und 1717. Das Feuer konnte dem Turm nicht allzuviel schaden. Die vielen Einzelnachrichten über Erneuerungsbauten, Aufsetzen eines neuen Knopfes und einer Wetterfahne, über neue Glocken, wiederholen sich.. 1539 wurde ein Wächter, um die Zeit anzuschlagen, eingesetzt ). 1586 wurde der Wächter durch den Blitz erschlagen. Man ging sonst außerhalb des Turmes über der Stadtmauer auf einer Treppe hinauf durch eine in dem Turme befindliche Tür. 1752 wurde unten an dem Boden ein Tor als Zugang eingebrochen. Der Turm war wohl immer schlicht, derb zylindrisch aufgebaut. 1565 hatte er oben mehr Zierat und eine höhere Spitze. Jetzt wird er oben nur von zwei Gurtgesimsen umzogen. Seine Barockhaube ruht mit ihren 8 Säulen auf einem Dache, dessen rote Ziegel von überaus wirkungsvoller Farbenfrische strahlen. Seit 1683 blies man wohl auch bei Begräbnissen vom Turm. Im Tore war auf bretternen Tafeln Christus mit der Dornenkrone und seine Ausführung zur Kreuzigung abgemalt, damit die armen Sünder, die durch das Tor zur Richtstätte geführt wurden, Trost schöpfen konnten; die Bilder wurden 1747 abgetan. 1835 wurde die Brücke erweitert; 1848, „in dem großen Demolierungsjahre“, wurden die Toranlagen beseitigt ). Die Dicke der Mauern unten am Turme beträgt 2,86 Meter.
Die Nikolaibrücke bestand ursprünglich wohl aus Holz. 1586 wurde sie mit 3 steinernen Pfeilern und 4 Bogen gewölbt ). Eine hölzerne Zugbrücke füllte eine Öffnung unmittelbar vor dem Mauertore, die wohl auch 1772 abgetan wurde. Hinter dem Tore wurde 1586 eine „Klause“ gebaut für das Gesindel, das nach dem Sterben (Pest) so übermütig war ).

 

Literatur:

weiterführende Texte: