Nikolaistraße 3

Einen Hinweis auf die Bauzeit des Gebäudes Nikolaistraße 3 gibt das Chronostichon, welches man im Giebel des Mittelrisalites lesen kann: „Spes pIafIsa Deo n Vnq VaM ConfVsa IaCebIt“ (MDCCVVVIIII = 1719).
Es entstand also 2 Jahre nach dem großen Stadtbrand von 1717. Aus dieser Zeit stammt insbesondere die prachtvolle Fassade mit allen typischen Elementen des Görlitzer Barock, wie z.B. dem Mittelrisalit mit gesprengtem Giebel und vergoldeter Kartusche und dem Korbbogenportal.
Im Inneren des Hauses sind barocke Stuckdecken erhalten. Der Plafond im einstigen Prachtzimmer des Hauses entstand um 1720.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Nr. 3 (283) ist bald nach 1717 aufgebaut; es heißt 1719 die Creutzigersche und Riechsche Brandstelle. Die Straßenseite ist ein Prachtstück der Barockkunst und unversehrt erhalten. Das wuchtige, breite Portal mit stilvoller, eisenbeschlagener Tür und oben mit trefflichem Gitter wird eingefaßt von zwei Pilastern; desgleichen werden die beiden Obergeschosse seitlich von zwei Pilastern zusammengehalten; die vier Kapitelle der Pilaster sind schön gezeichnet und ausgeführt und endigen mit wirkungsvollen Blattgehängen. Ueber dem Portale stehen acht Balustern, darüber zwei einfache Fenster mit prächtiger Dachung, die im Giebel ein Schild mit fein gezeichneter symbolischer Figur enthält. Die Fenster im zweiten Obergeschosse haben eine geschweifte, einfachere Dachung. Ein Dachausbau gibt dem Ganzen einen wirkungsvollen Abschluß. Im mittleren Stocke liest man ein sogenanntes Chronostichon: Spes pIa fIsaDeo n VnqVaM ConfVsa IaCebIt, das ergibt MDCCVVVIIII = 1719. In diesem Jahre kaufte Rosine Tuchendreich Modrach (gest. 1742), geb. Preibsch, deren Erbe der Amtssekretär Heinrich Gottlob Modrach (gest. 1756) auf Holtendorf aus Dresden (s. Neißgasse 8, oben S. 409) war, die Stellen und baute das Haus. Vorbesitzer war 1675 und gegen 1700 der Tuchscherer Michel Creutziger, 1775 war Besitzerin die Frau des Amtssekretärs Jeremias Gottlieb Behrnauer aus Bautzen. Im Innern sind noch Stuckdecken erhalten, ebenso ein Gemälde (um 1720), das eine Venus liegend auf einem Ruhebette und einen Amor darstellt.

 

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