Nikolaistraße 12

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Nikolaigasse 12 (292) hat ein wuchtiges, eindrucksvolles Barockportal. Es ist nach dem Brande von 1717 wohl von Grund auf neu gebaut und geht bis zum Karpfengrund durch. Wohl 30 und mehr Jahre bis 1632 besaß das Haus Bartholomäus Jacobi, dann seit 1633 bis mindestens 1782 die Familie Ranisch, deren Mitglieder Ratsherren und Herren auf Leschwitz waren. Bei ihnen hatte die Familie von Tschirnhaus auf Kießlingswalde ihr „Logiment“, wo sie in dem großen Brande von 1642 alle ihre Ausstattungsstücke bis auf einen „eisernen Kasten mit den Briefen“ verlor. In den Jahren 1639-1644 war hier der Sammelpunkt der vielen Naturalsteuern, die der Kriegskommissar und Proviantmeister der Stände Christoph von Tschirnhaus zusammenbringen mußte. Man nannte deshalb damals das weitläufige Gebäude, zu dem auch Karpfengrund Nr. 1 gehörte, die Kommies oder Kommiß. Hier wurde auch der Buch- und Gerätschaftsnachlaß des berühmten Ehrenfried Walther v. Tschirnhaus Ende August 1723 versteigert ). Bis 1853 wurden Räume von Nr. 12 (nicht 10) für den jüdischen Gottesdienst benützt, 1853 bezog am 20. September die Gemeinde ihre Synagoge auf der Langengasse im sogenannten Theater (Hinterhaus des Rössel). Ferner waren in Nr. 12 von 1853 bis zur Einweihung des neuen Gymnasiums 1856 zwei Gymnasialklassen untergebracht.