Nikolaistraße 10

Wesentlich markanter als die Nikolaistraße 11 ist das linke Nachbargebäude, Nikolaistraße 10, insbesondere durch sein prächtiges Rundbogenportal aus dem Jahr 1583.
Die stark plastisch gestaltete Archivolte, die Gewände mit ihren Sitzflächen, die beiden Baldachinfiguren (hier Glaube und Gerechtigkeit) und die mit Akanthuslaub symmetrisch verzierten Zwickel folgen den Merkmalen der ausgehenden Renaissance in Görlitz.
Der von einem Engel gehaltene Schlussstein trägt die Beschriftung A.B. (Adam Berger) und die Jahreszahl 1583. Im Architrav befindet sich folgende Inschrift: „Juste, quod justum est, persequeris, ut vivas et possideas terram, quam dominus deus tuus dederit tibi” = „Was recht ist, dem sollst du nachjagen, auf dass du leben und einnehmen mögest das dir der Herr, dein Gott, geben wird” (aus dem 5. Buch Moses).
Nach dem Brand von 1717 entstand das Haus aus der Vereinigung zweier benachbarter Hauseinheiten und wurde ab dem 1. Obergeschoss barock erneuert. Im Erdgeschoss sind weitere Renaissancedetails der ursprünglichen Fassaden erhalten.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Nikolaigasse 10 (290), ein Brauhaus, hat ein wundervolles Rundportal mit reichem, plastischem Schmuck, offenbar von dem Meister des Hauses Neißgasse 29. Die Zwickel sind mit köstlichem Akanthusblattwerk gezeichnet. Am Schlußsteine ist ein Engelchen angebracht, ein Schild vor sich haltend, auf dem die Beschriftung A. B. (Adam Berger) ) und die Jahreszahl 1583 steht. Am Kämpfer sind rechts und links zwei allegorische Figuren (Glaube und Gerechtigkeit) ausgearbeitet. Inschrift oben: Juste, quod justum est, persequeris, ut vivas et possideas terram, quam dominus deus tuus dederit tibi ). Die Fenster des Erdgeschosses haben verkröpfte Renaissancefascien. Links vom Portal befindet sich ein halbachteckiger Erkeransatz mit Eierstab, unten auslaufend mit einer hängenden Traube. Besitzer: 1603 Martin Elfmark ), 1675 Kaufmann Christian Schneider (gest. 1686) auf Ludwigsdorf und Klingewalde, 1700 seine Erben, 1718, 1725, 1750 der Kaufmann und Viertelshauptmann Georg Michael Neumann (gest. 1752), 1775 Christiane Friederike Breitenfeld, geb. Hagendorn, Witwe des Apothekers Gottlob Erdmann Breitenfeld aus Guben (gest. 1772).