Nikolaikirche

Geht man vom Nikolaiturm aus in Richtung Nordwesten durch die Bogstraße der Nikolaivorstadt, gelangt man zu der schon weithin sichtbaren Nikolaikirche.
Der Bau der spätgotischen Kirche begann im Jahr 1452. Zu Gunsten des Baus der Görlitzer Peterskirche wurde der Bau hier unterbrochen und erst 1515 fortgesetzt.
1516 wurde Wendel Roßkopf d.Ä. mit der Bauleitung betraut. Das Südportal entstand 1 Jahr danach. Bereits kurz nach der Weihe (1520) wurde das Dach aus statischen Gründen abgetragen und erst 1582 erneuert.
1642 fiel die Kirche einem Brand zum Opfer, wurde bis 1649 wieder aufgebaut und brannte 1717 abermals ab. Im Zuge des erneuten Aufbaus erhielt die Kirche anstelle ihrer spätgotischen Gewölbe eine mit perspektivischen Architekturdarstellungen bemalte flache Decke.
1925 wurde die Nikolaikirche durch den Architekten Martin Elsässer zur Gedächtnisstätte für die Gefallenen des I. Weltkrieges umgebaut. Zu diesem Zeitpunkt verlor der Innenraum nicht nur die beschriebene Decke. Ersetzt wurde sie durch ein leichtes Rabitzgewölbe, welches von schlanken Säulen scheinbar getragen wird.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Nikolaikirche.
Über ihre Entstehung um 1100 ist schon von mir ) gehandelt worden. Sie wird seit Urzeiten als Begräbniskirche benutzt. Urkundlich wird sie zuerst 1298 erwähnt ), wo sie als Parochialkirche außerhalb der Stadt genannt wird. Als Parochialkirche bezeichnet sie noch 1461 der Bischof Caspar von Meißen ). Zu Hassens Zeiten (um 1520) ist diese Bezeichnung wohl ganz verschwunden, und sie scheint nur Begräbniskirche zu sein ). Sie war wohl ursprünglich aus Holz. Sie wird auch Kirche zu St. Nikolai und St. Katharinae genannt, wahrscheinlich deshalb, weil sich seit alter Zeit dort auch ein Katharinen-Altar findet, der schon um 1365 erwähnt wird ). 1452, am 15. Mai, wird der Grund der Kirche neu gelegt ). Der völlige Ausbau unterblieb aber, sie wurde nicht vollständig nach oben zu vollendet, man setzte nur ein geringfügiges Schindeldach auf, so daß sie „einer Scheune oder einer großen Hütte glich“. 1515 versuchte man den Bau weiter fortzuführen. Am 24. Dezember 1516 legte man den Grund und mauerte am Pfeiler gegenüber der Sakristei einen Stein mit 5 Weihekreuzen und der Jahreszahl ein. Vergebens suchte ich beim Umbau 1925 denselben zu finden. Im Juni 1519 während des Baues trug sich ein Unfall zu, wovon ich schon erzählt habe ). Anfang Juni 1520 erfolgte dann die Einweihung, ohne daß der Bau vollständig fertig geworden war. Das hohe Dachwerk mußte 1545 wieder abgenommen werden ) und wurde durch ein anderes, mehr nach Innen gerichtetes und auf den Pfeilern ruhendes ersetzt. 1582 erfolgte eine neue Bedachung. Am 26. August 1642 brannte die Kirche mit anderen 100 Gebäuden vollständig aus. Ihr Wiederaufbau kostete viel Geld, weshalb auch von auswärtigen Orten Geldhilfe erbeten wurde und beträchtliche Summen eingingen. Die Einweihung geschah, am 16. April 1649. Beim großen Brande von 1717 am 31. Juli wurde sie abermals ein Raub der Flammen. Über die Sammlungen, die zu diesem Zweck in der Stadt und außerhalb vorgenommen wurden, sind genaue Nachrichten vorhanden. Das 5. Baujahr brachte die Vollendung und die Einweihung am 14. Dezember 1722.

Die flache bretterne Decke malte der Maler Praite (Breidt) perspektivisch. (Die Zeichnung dazu befindet sich im Ratsarchiv). Damals sind auch viele Erweiterungen der Kirche vorgenommen worden. Von dieser Zeit bis 1925 erfuhr der Bau keine Veränderung. Bis 1717 trug übrigens die Nikolaikirche einen Dachreiter; beim Neubau 1717 ließ man das Türmchen weg, erst 1786 wurde wieder eins aufgesetzt. Neuerdings ist die Kirche als Denkmal der Gefallenen im Weltkriege eingerichtet, wobei die Pfeiler sehr verjüngt, eine Wölbung geschaffen und die Namen der Gefallenen an die Wände angebracht wurden. Die Einweihung geschah, am 10. November 1926. Der Schöpfer der Pläne war Professor Martin Elsäßer, Stadtbaudirektor in Frankfurt a.M., die Namen der Gefallenen malte Professor Schröder. Leider ist die vorher vielgerühmte Akustik der Kirche damit geschwunden, und an der Südseite erschienen in der Beschriftung weiße Ausschwitzungen. Westlich der Nikolaikirche stand die Wohnung des Pfarrers, zugleich ein Wirtschaftshof; beide wurden im Jahre 1532 abgebrochen.

Neue Literatur: Alfred Zobel, Neuer Görlitzer Anzeiger 1921, 16. November Nr. 269. Arthur Haupt, ebd. 1927, Nr. 278 vom 27. November und 4. Dezember; ebd. 1926 Nr. 248 vom 22. Oktober. Neumanns Chronik 1850 S. 651 (Anhang S. 23). Im übrigen siehe unten S. 803 f., unter Nikolaikirchhof.

 

Literatur:

weiterführende Texte: