Nikolaigraben

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Der Nikolaigraben war für größeren Verkehr früher nicht eingerichtet; in der Mitte floß zum Teil der offene Bach Lunitz in einem tiefen Graben. Im Norden standen zwar nach Westen Häuser, wenige nur nach Osten, aber die Verkehrsmöglichkeit war gering und ohne gefestigten Weg. 1854/55, als man den Stadtgraben am Vogtshofe zufüllte, dachte man bereits an weiteren Ausbau des Nikolaigrabens, aber erst - verhältnismäßig spät - 1861 bis 1863 -
wurde ein massiver überwölbter Kanal von 12 Fuß lichter Breite und 7 Fuß Höhe auf 40 Ruten gebaut, eine Fahrstraße gepflastert, der übrige Raum bis an die Zwingermauer mit Gußpflaster belegt und zwei Reihen Bäume gepflanzt. 1863 wurde die Teichmühle, die schon 1830 bis 1832 ziemliche Bauänderungen erfahren hatte, mit neuen Gebäuden und Kesselanlagen versehen, ebenso der Schornstein neu aufgeführt. So gewann damals die dortige Gegend, die bis dahin für den Wagenverkehr beinahe gar nicht benutzt werden konnte, gar viel. Die ordnungsgemäße Bepflasterung brachte es auch mit sich, daß man die Hauptstraße von Ludwigsdorf her direkt auf den Nikolaigraben einmünden ließ und den schwierigen Durchgangsverkehr durch die Große Wallgasse und Boggasse aufhob.