Neugasse

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Die Neugasse zweigt sich von der Finstertorgasse nach Nordosten ab; Sie ist nicht zu verwechseln mit der Neugasse (Neugässel), die jetzt Ober-Steinweg heißt ). Sie wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu Gärten ausgesetzt, die wohl zumeist zu Mertin Schleiffes Vorwerk bei dem Gerichte an der Neiße nach Ludwigsdorf gehörten ). Das Vorwerk (vielleicht stand dasselbe dort, wo jetzt Rothenburger Straße 47 und Umgebung liegt) nebst den zinsenden Gärtnern wurde 1482 von Johannes Schleife, Pfarrer zu Schönbrunn, und den Erben des 1468 enthaupteten Martin Schleife an das Spital zum Heiligen Geiste verkauft ). Auch wurde 1471 das „kleine Vorwerk“ ) hinter der Neugasse in 8 1/2 Gärten mit 5 Wirten und 1472 in 3 1/2 Gärten mit 3 Wirten ausgesetzt. Um die damalige Zeit erscheint dann auch der Name Neugasse zuerst, sie erhält 1479 einen Gassenmeister ). Dort, wo man von der Rothenburger Straße zur Neugasse aussteigt, stand der Stockborn ), der übrigens nach den Geschoßbüchern eine Anzahl Häuser (1426, 1450, 1470, 1482, 1496) umfaßte.

Galgen. Im Jahre 1446, vom August an bis in das Jahr 1447, wurde ein neu gemauertes Gericht erbaut ) und dem Besitzer des Ackers Jacob Büttner 1447 zu einer „Wiederstattung, daß er Gestank, Unluft und Getrete leiden müßte“, eine Vergünstigung im Geschosse zugestanden ). Aus dieser urkundlichen Nachricht haben nun die Chronisten den Schluß gezogen, daß der Galgen wahrscheinlich früher unterhalb der Goldgrube gestanden habe. Der alte Galgen wird aber von der späteren Stelle aus nur wenig weiter nach Süden mehr an der Neiße seinen Standpunkt gehabt haben ). Dort ist er wohl durch die Flut weggeschwemmt und an die spätere höhere Stelle gesetzt worden. 1462 wurde vor der Ankunft des Königs Podjebrad der Galgen geräumt, d.h. wohl von Gehenkten befreit ). In dieser Gegend befand sich der Schinde- oder Schinderplan (Aasgrube), der 1542 dorthin von der Gegend des späteren Spitalgartens (unmittelbar hinter dem Hirschwinkel) verlegt wurde ). Der Schinderplan wird 1459 genannt ). Dort fand der Stadtgartenbesitzer (Spittelhöhne) um 1885 viele Knochen. Öfter wurde der Galgen erneuert, so 1524 und 1545 ). 1831 wurde er abgebrochen. 1889 sah man noch die Fundamente hinter Stadt Düsseldorf (Lindengarten) in der Sandgrube. Die letzte öffentliche Hinrichtung an zwei Raubmördern in der Nähe des früheren Galgens geschah am 10. Dezember 1850. Die zwei Missetäter wurden damals vom Inquisitoriat am, Fischmarkte unter großem Zulaufe des Volkes an die Richtstätte geführt ). Östlich vom Galgen, dicht am linken Neißeufer, meist die Gadowsche Karte 1779 den Namen Unger auf.