Neißstraße 26

An der Fassade des Gebäudes Neißstraße 26 finden sich die Spuren verschiedener Baustile wieder.
Während die beiden Obergeschosse die Formen der Görlitzer Renaissance widerspiegeln, handelt es sich bei dem Portal um einen einfachen Vertreter des Barock. Der Schlußstein des Portals trägt die Inschrift „Homo proponit, deus disponit“, darunter das Schittlersche Wappen (Löwe und Kleeblatt mit gespaltenem Schild) aus dem Jahr 1738. Die Inschrift geht darauf zurück, dass der Advokat und Viertelshauptmann J. Jakob Schittler unvermutet seinem Neffen J. Florian Schittler das Amt des Viertelshauptmanns vererbte.
Im 1. Obergeschoß befindet sich ein Renaissancesaal mit Holzbalkendecke der Zeit.
Am 9. November 1820 wurde im Hinterhof dieses Gebäudes ein privates Theater eröffnet, welches 27 Jahre später wegen baupolizeilichen Mängeln aber wieder geschlossen wurde.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Neißgasse 26 (350). Die zwei Obergeschosse haben Fenster mit verkröpfter Faszie. Unten ein einfaches Barockportal, auf dessen Schlußstein die Inschrift: Homo proponit, deus disponit, darunter das Schittlersche Wappen mit den Buchstaben J. F. S. (Johann Florian Schittler) 1738. Die Inschrift geht darauf, daß der Vorbesitzer, der Junggeselle Advokat und Viertelshauptmann Johann Jacob Schittler (gest. 1737), unvermutet seinen Neffen, den Viertelshauptmann Joh. Florian Schittler, als Haupterben einsetzte ). Die älteren Besitzer sind vor 1675, wo die Schittler schon im Besitze sind, noch nicht erforscht. 1715 besaß das Haus Samuel Gottlieb Fröhlich, Dr. jur. und Oberamtsadvokat auf Leschwitz und Posottendorf (gest. 1801), Schwiegervater des bekannten Bürgermeisters Sohr. Der Besitzer war 1813 der Kaufmann C. Heinrich Maurer aus Zittau, Schwiegersohn Sohrs. Seit 1837 gehörte das Haus dem Tuchfabrikanten Friedr. Ferdinand Blachmann. Schon vorher, seit 1820, war im Hinterhause ein Theater eingerichtet worden, es wurde aber 1847 wegen Gefährlichkeit polizeilich geschlossen ). Im Inneren befinden sich reiche Stuckdecken.