Neißstraße 24 (Zum Goldenen Apfel)

Aus dem Jahr 1727 stammt das Haus „Zum Goldenen Apfel“ (Neißstraße 24).
Nach dem Stadtbrand von 1726 erneuerte der damalige Eigentümer, der Buchbinder und Chronist Christian Schäffer das beschädigte Gebäude, das im Kern ins 13./14. Jahrhundert zurückgeht.
Vom mittelalterlichen Bau blieb u.a. eine gotische Schulterbogentür im Erdgeschoss erhalten. Im 15./16. Jahrhundert zum Hallenhaus ausgebaut, blieb im Innern mit der großzügigen Haushalle und dem Saal das Raumgefüge der Renaissance bewahrt.
Aus dem 17. und frühen 18. Jh. stammen bemalte Balkendecken mit floralen Motiven und Marmorierung, 1727 entstanden schlichte Stuckdecken. Die Fassaden des Vorderhauses zeigen die 2003 restaurierte Fassung von 1727 mit rustiziertem Sockelgeschoss, symmetrischer Pilastergliederung und regelmäßigen Fensterachsen. Die Zweifarbigkeit der Wandflächen sowie die illusionistischen Fensterverdachungen folgen ebenso dem barocken Originalbefund wie die Maltechnik. Die Fassade wurde al fresco, d.h. mit reinen Kalkfarben direkt in den nassen Putz bemalt.
Herausragendes Schmuckelement ist das Portal mit den Figuren der drei Göttinnen des Paris-Urteils aus der Werkstatt oder dem Umfeld des bis 1728 in Görlitzer tätigen Bildhauers Johann Matthes Oberschall. Darunter erinnert das Allianzwappen Schäffer und Schön an den Bauherrn und seine Frau. Die Inschrift „CHRISTO: SOSPI=TANTE“ – von Christus behütet – kann als Haussegen gelten und verweist auf die Frömmigkeit der Erbauer.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Neißgasse 24 (348), westliche Ecke der Kränzelgasse. Hat zwei Obergeschosse, unten ein jetzt verbautes anspruchsvolles Barockportal aus dem Jahre 1727; im Schlußstein die Inschrift Christo sospitante mit zwei Wappen, links (vom Beschauer) das Schäffersche, rechts das Schönsche. Auf dem aufgeschnittenen Giebel des Portals lagern links und rechts zwei geschickt gefertigte weibliche Figuren, in der Mitte steht eine prächtige Amazone mit einem Gorgonenschilde. Der Strebepfeiler über der Kränzelgasse ist 1780 angelegt. Besitzer: 1415, 1430 Nikel Scheunemann, 1445 Andreas Rüdeger, 1472, 1499 Hans Langschneider, 1505, 1520, 1566 Jorge Richter und seine Nachkommen, 1569, 1588 Bartel Kadeluff, 1603 Antonius Schmid, 1628 Casper Stubner, 1653,1666 Paul Gregor Schön, 1673, 1682 Magister Jakob Schmied, 1706 Christian Schäffer (gest. 1747), Buchbinder, der sich durch eine weitläufige Görlitzer Chronik und durch genealogische Tabellen verdient gemacht hat ), 1775 Advokat und Ratszolleinnehmer August Lebrecht Heer (gest. 1781).

 

weiterführende Texte:

Splitter:

Restaurationen / Gaststätten  
Quelle Rubrik Name Adresse
AB 1905/06 Restauration Geißler / Gerber  Neißstraße 24
AB 1911/12 Restauration Zum Stadtbild Neißstraße 24
AB 1913/14 Restauration Zum Stadtbild  Neißstraße 24
AB 1919 Restauration Zum Stadtbild Neißstraße 24
AB 1927/28 Restauration Zum Stadtbild (Alt-Görlitz)  Neißstraße 24
AB 1929/30 Restauration Zum Stadtbild  Neißstraße 24