Neißstraße 23

Auch das Görlitzer Haus Neißstraße 23 war ursprünglich ein Brauhaus. Es beherbergte bereits in seiner frühen Geschichte eine Gastwirtschaft, die „Zur weißen Kanne“ genannt wurde.
1389 kaufte Georg Rengler das Gebäude und richtete hier eine Färbe ein. Von 1827 bis 1970 betrieb die Familie Jacobi hier ihr Färbehandwerk und ist noch heute im Besitz des Hauses.
An der Fassade sind in beiden Obergeschossen Fenstergewände der späten Gotik mit der für Görlitz typischen Stäbung und angedeuteten Vorhangbögen zu finden.
Die Brustbilder zweier Männer, die einen großen Bierkrug in den Händen halten, weisen wohl auf den mittelalterlichen Gasthof hin, auch wenn die Sagen der Stadt anderes (viel Spannenderes) erzählen.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Neißgasse 23 (347), östliche Ecke der Kränzelgasse, eine sehr alte Färbe, die auch jetzt noch besteht. Ursprünglich war es ein Bierhof, wurde aber angeblich 1389 von Mathes Lange in der Neißgasse an Georg Rengler verkauft, der dort eine Schwarzfärbe anlegte. So schreibt Krauche. Verdächtig, ja unmöglich scheint um 1389 der Preis von 824 Mark ). Das Haus scheint seiner jetzigen Form nach bald nach dem Brande 1525 gebaut zu sein von einem Baumeister, der noch in der Gotik stand; an den Fenstern sind davon deutliche Spuren. Fesselnd sind auch die Brustbilder zweier Männer, die einen großen Bierkrug umfassen. Das scheint doch auch auf einen Bierhof hinzuweisen. Leider sind die Besitzer aus der alten Zeit noch nicht ermittelt; ihre Reihe würde sicherlich die Zeit der Umwandlung in eine Färbe bestimmen. 1675 und 1700 ist Besitzerin Justine Gerlach, Witwe des Schönfärbers Friedrich Gerlach, 1718, 1725 der Schön- und Schwarzfärber Christian Rudolph, 1750 Karl Gottlob Rudolph, 1775, 1790 betreibt dort dasselbe Handwerk Christian Gottfried Gabler aus Seidenberg, der 1759 Bürgerrecht nimmt, 1813 Christian August Wünsche, seit 1827 Johann George Jacobi, 1866 Gustav Ewald Jacobi, jetzt Carl Jacobi, der wie seine Vorbesitzer noch die Färberei betreibt. Das Haus umfaßt noch jetzt von hinten die Häuser der südlichen Neißgasse bis zur Stadtmauer.

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