Neißeturm / Neißturm

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Neißeturm und Neißetor.

Beide werden zuerst um 1315 erwähnt ), doch wurden sie sonder Zweifel schon bei Gründung der Stadt erbaut. Der Turm war nicht rund, sondern viereckig. Der Brand vom 12. Juni 1525 legte ihn darnieder. 1539 wurde er neu aufgebaut in der zierlichen und kunstvollen Gestalt, wie wir ihn auf der Stadtansicht von 1565 erblicken. Auf dem unteren Viereck wurde ein anderes, nach außen herausragendes errichtet, sodaß man sicher um den ganzen Turm gehen konnte. Hinter dem Gange war eine besondere Mauer gebaut, mit vier schönen Dachungen überhöht. Dahinter erhob sich die schlanke Spitze, dreimal durch umlaufenden Zierat unterbrochen. 1607 erneuerte man oben das Gesperre, 1676 wurde der steinerne Kranz vom Steinmetz Johann Pfister erneut. Am 30. April 1726 brannte der Turm wiederum aus; 1737 geschah der Neubau, der in der einfacheren barocken Form „mit einem Durchsichtigen“ erfolgte. Zimmermeister Georg Hamann, Maurermeister Samuel Suckert, Kupferschmied Andreas Heincke, Vergolder Goldschmied Müller waren beim Bau beteiligt. Weil der Turm den immer steigenden Verkehr arg beengte, wurde er 1836 abgebrochen, eine bedauernswerte Schädigung des alten Stadtbildes. Der Turm stand im Zuge der Stadtmauer, die hier nur einfach war.

Nach Norden hin lehnte sich an den Turm das innere Neißetor. Das andere stand hart an der Neiße und auf der Grundmauer, wo die Neiße vorbeistreicht, und über demselben war ein Gebäude errichtet. Die Toröffnung war für die hochgeladenen Frachten nach und nach unzulänglich geworden. Es kam vor, daß die Wagen einfach steckenblieben und nur durch Aufreißen der Pflasterung durchgebracht werden konnten. Schon längst hatte der Bürgermeister Demiani den Abbruch der Tore bei der Regierung beantragt, immer vergebens. Als wieder einmal ein Abgeordneter der Regierung in dieser Sache bei Demiani war, kam die Kunde von einer erneuten Verstopfung des Neißetores. Man begab sich an Ort und Stelle, und da gab die Regierung nach. (Der ganze Vorgang soll ein abgekartetes Spiel Demianis gewesen sein, der einen hoch geladenen Wollwagen für den Fall bestellt hatte) ). 1841 wurde der Überbau abgebrochen, die Seitenpfeiler standen noch bis 1857.
Der Neißeturm hat eine Einzelschrift erfahren durch Gustav Köhler, eine Arbeit, die freilich recht liederlich ist und deren Durchbesserung mir viel Mühe verursachte ).

Wie man an der Brücke links der Neiße durch die Tore fahren mußte, so auch rechts der Neiße, wo der Spitalturm eine schützende Bastei war. Die Petzoldsche Karte von 1714 zeigt gar nach Osten hier zwei Ausfahrten ).

 

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