Luthersteg

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Luthersteg. 1779 auf der Karte von Gadow liest man Luttersteg. Er ist ein Fußweg, der an der Westseite des alten Nikolaifriedhofes nach Nordwesten zustrebend nach dem Westende von Klingewalde zugeht und in seiner Fortsetzung westlich am Galgenberge (östlich von Siebenhufen) sich bis zu den Vorwerken Charlottenhof und Emmerichswalde verfolgen läßt. Luther, auf den man den Namen zurückgeführt hat, ist nie in Görlitz gewesen ). Die Form Luttersteg brachte mich schon vor langer Zeit auf die Vermutung, daß der Name durch Volksetymologie entstanden sei aus Lottersteg, eine Vermutung, die sich mir zur Freude durch drei Stellen des Kaufbuches aus den Jahren 1596, 1598 und 1608 bestätigt hat ). Lottersteg hat die Bedeutung: (übler) Schleichweg, auf dem verbotene Ware (Bier) nach der Stadt heimlich eingeführt wurde (Lotter = Lotterbube). Auch bei Eichgraben (südlich von Zittau) findet sich ein Lotterweg, auch in Halle a.d.S. ); ebenso ein Lottersteg in der Sächsischen Schweiz nördlich vom Lilienstein, rechts der Elbe ).