Lunitz

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Der Stadtteil Lunitz im alten Görlitz.

Er reicht vom Anfang der Boggasse im Osten bis zum Kreuztore im Westen. Früher unterschied man: Niederluntze (jetzige Lunitz) und Oberluntze, die am Bache, der jetzt Kidron heißt, nahe der Heiligengrabstraße liegt. Sie kreuzt sich also hier im Westen mit der Kummerau ).

Als älteste Form erscheint: An der Luncze (um 1305), in der Lunczen (1410), in der Luncza (1336), in der Loncze (1378); 1433, 1440, 1450 liest man Oberloncze, deren Lage zwischen Kellenborn und Kummerau auch in den Geschoßbüchern bestimmt wird. 1413 geben drei Gärtner in der Luncze je 3/4 Pfund Pefferzins ).

Der Name Luncze kommt auch anderwärts vor, so in Grünberg ). Um 1305 erscheint ein Garten an der Luncze linker Hand an der Trenke ). 1378 ein Tor an der Luncze ), an dem wohl ein Gatter, Schoßgatter oder Rechen, angebracht war ). 1461 wird das Pfaffenhaus in der Loncze (Niederlunze) ) von seinen Schwestern an Peter Cretschmer aufgegeben.

Vielleicht hängt damit zusammen die Strohkirche, die sich von 1377 bis 1440 nachweisen läßt ). 1380 gab es einen Zaun bei der Strohkirche, 1398 eine Mauer, 1399 einen Zaun in dem neuen Graben hinter der Strohkirche, 1440 einen Garten, genannt die Stroynkirche bei der Loncze. Vielleicht stand dort eine Notkirche für die Nikolaikirche ). Auch eine große Bastei läßt sich 1490 an der Strohkirche nachweisen ). 1478 hat der Rat zur Befestigung einen Teich in der Luncze bei dem Tore, so man geht zum Heiligen Kreuze, auswendig dem neuen Graben und Zaune, zu bauen angefangen, wobei verschiedene Besitzer in der Lunitz, aber auch einer auf dem Steinwege entschädigt werden mußten ). 1494 wurde der Damm durch den Luntzeteich gelegt mit einer Brücke darauf, so daß man darüber gehen und reiten mag ). 1537 am 1. Juni war die Lunitz so geschwollen, daß sie den Steinweg zerriß und zwei Ellen über ihm stand ), ähnlich 1546.

1833,  1834, 1835  und  1838  wurde  der  Lunitzbach  mit  Granitplatten eingedeckt ). Im Westen wurde der Stadtteil Lunitz - das Bächlein (Bach Kidron) fließt etwas weiter im Norden - vom Kreuztore, genannt nach dem Heiligen Kreuze, begrenzt. Es heißt in den ältesten Quellen: Tor gegen Ebersbach, so 1378 ). 1386 ) kommt ein äußeres Tor gegen Girbigsdorf vor. 1499 wird dort ein Wächter wegen der verbotenen Biereinfuhr erwähnt ). 1847 und 1850 steht das Kreuztor noch, bald darauf wird es gefallen sein ).

Südöstlich vom Kreuztore lagen die Hälter, auch Fischhälter genannt, an der Stelle wo jetzt das Gaswerk und die Kaserne stehen. 1483 überläßt Caspar Canitz, dessen Vater Andreas schon 1449 das Gelände besaß, die Hälter mit dem Garten und Gebäude in der Luntze dem Rat ). 1559/60 wurde die Mauer von dem Niklaskirchbof oben angefangen, herunter bis an das Kreuztor und wieder bergauf bis auf den Graben oberhalb der Hälter, gebaut ). 1710 (1711) wurde ein großes Branntweinhaus „mit Gelegenheit zur Mästung“ erbaut, weil das zwischen dem Frauentore zu klein war. Das Wasser kam durch Röhren aus den Brunnen an den sogenannten oberen Teichen ). 1756 wurde die Mauer am Hälterberge mit Ruhebänken dabei angelegt ).

Oberhalb der Lunitz, nach der Stadt zu, ging zum Schutze der Stadtmauer ein Wässerchen, genannt das Branntweinwasser ), das, von Westen her aus den Teichen in der Ponte kommend, den Pulverteich füllte und die Pulvermühle trieb, auch sein Wasser an die Hälter abgab. Die Pulvermühle wurde wohl nach der Flut im April 1546 zu Ende desselben Jahres fertig ). An Stelle der Pulvermühle erhob sich später die Tuchfabrik von Krause & Söhne. Deren Vorgänger, Bergmann und Krause, die schon vordem die Teichmühle erworben hatten, kauften nämlich 1832 die Pulvermühle und richteten sie zur Tuchfabrikation ein ), vergrößerten sie und stellten 1845 dort auch eine Dampfmaschine auf ).

1710 wurde auf dem öffentlichen Gelände nächst dem Akzisehause an der Lunitz, wo das Bächlein nach dem Nikolaigraben führt, ein Backhaus gebaut, genannt nach der kleinen Kapelle (sie trägt in neuzeitlicher Form die Jahreszahl 1489 und wurde am 11. April 1625 vom Nikolaifriedhof ) hierher versetzt) Kapellenbackhaus oder auch die Lunitzbäckerei. Sie hat jetzt die Nummer Nikolaigraben 3 (609) und am Portale die Jahreszahl 1718 und die Buchstaben J.G.T. = Johann Georg Täschner ). -

Die Gasse Lunitz wurde zu beiden Seiten durch die große Feuersbrunst 1717 niedergelegt. Vor dem Brande war die Gasse links und rechts mit Häusern stark bebaut, darinnen lauter Tuchmacher wohnten. Auf der Seite nach der Stadt waren neun Häuser, dann die Fischhälter, die Branntweinbrennerei, die Pulvermühle; nach der anderen Seite fanden sich nebst den Hinter- und Färberhäusern von der Boggasse und dem Steinwege 15 Wohnhäuser ). Vom Brande des Jahres 1717 her sind in den Geschoßbüchern 1775 noch 12 Wüstungen verzeichnet. Das Geschoßbuch der Vorstadt, das zu Anfang die Lunitz bis zum Kreuztore bringt, weist acht Meistereien (Fabriken) auf, es sind wohl Tuchmacher- und Gerberbetriebe ).