Langenstraße 1 (Zum Flyns)

Die wichtigsten Details des Hauses Langenstraße 1 sind bereits an der Fassade erkennbar. Dazu gehören das Renaissanceportal aus dem Jahr 1557 und das daneben gelegene Fenster mit seinen Originalfaszien aus der gleichen Zeit.
Eine Besonderheit bildet das zur Dekoration der Gewände und der Archivolte verwendete Flechtband. Die durch Voluten bestimmte Bekrönung des Portals enthält in der Mitte einen etwas karrikativ wirkenden böhmischen Löwen mit einem Schild. Die Beschriftung des Bandes, welches dem Löwen über der Schulter hängt, weist auf den Bauherren des Hauses Hans Fritzsche hin, die Buchstaben auf dem Schild wiesen ursprünglich auf einen späteren Besitzer, Andreas Wiesner (um 1700).
Möglicherweise stehen die Bezeichnung des Hauses „Zum Flyns“ und die Figur des Löwen in direktem Zusammenhang. Die Slaven, die diese Gegend zur Zeit der Gründung der Stadt noch besiedelten, nannten eine ihrer Gottheiten, deren Insignien ein Feuerstab und ein aufrecht stehender Löwe waren, „Flyns“. Später, mit fortschreitender Christianisierung, wurde dieser „Flyns“, weil heidnischen Ursprungs, mehr und mehr mit dem Teufel in Verbindung gebracht.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Langengasse Nr. 1 (145), Ecke der Apothekergasse 5, zeigt ein Renaissanceportal, oben mit dem eigenartig verzerrten böhmischen Löwen als Schildhalter, dessen Gestalt den Anlaß gab, in ihm den „Flins“ zu sehen ). Auf seinem Spruchbande steht H. 1557. F.; die Buchstaben gehen auf den damaligen Besitzer Hans Fritzsche, wie ihn die Geschoßbücher nachweisen. Ein späterer Besitzer Andreas Wiesner (um 1700) ließ in dem leeren Schilde seine Anfangsbuchstaben einmalen; sie sind jetzt verschwunden, treten aber auf einer Photographie von etwa 1900 noch zutage. Die Besitzer waren während des 18. Jahrhunderts Tuchmacher (die Familien Wiesner und Brückner), im 19.    Jahrhundert Bäcker. Das Haus ist sehr alt und hat starke Stützpfeiler.