Kummerau

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Kummerau. Am weit um fassendsten war die Benennung Kummerau, die von der jetzigen Christoph-Lüders-Straße nach Norden über die Heiligegrabstraße hinweg und etwa vom Heiligen Grabe westwärts bis zu Ende der Stadtflur ging. 1417 hatte sie nicht weniger als 27 Wirte ). 1855 standen dort nur 9, 1931 nur 3 Besitzungen, da die Benennung nördlich der Heiligengrabstraße ganz durch die Hagspihlstraße ersetzt ist. Es gibt in der Oberlausitz zwei Dörfer desselben Namens (N. v. Königswartha und N. v. Klix). Der Vorort bei Görlitz kommt zuerst 1408 und 1412 vor ), und zwar in der Form Commerau. Man leitet das Wort Commer aus dem Wendischen ab ), vielleicht aber bewegt sich der Name als deutscher Name in der Vorstellung des späteren, an anderen Orten vorkommenden Namens „Neue Sorge“.
In der Gegend der Kummerau sowie der Krölstraße und Salomonstraße hausten die Hussiten ); 1433 wurde in der Kummerau ein Tor gesetzt ), 1454 liegt ein Garten uff der Commeraw by dem Schlage und der Pfütze ), 1501 gibt‘s ein Vorwerk uff der Commeraw by dem Heiligen Kreuze ). Der Besitzer war 1511 Urban Emerich, jetzt Hagspihlstraße 5/6 ).

Neben Kummerau findet sich auch in derselben Ausdehnung Kummergasse (1442 und 1446) ). Im engeren Sinne heißt Kummergasse die Gasse oder der Fußsteg, der von der Christoph-Lüders-Straße nach Norden geht. Die Gadowsche Karte von 1779 hat die kaum volkstümliche Form Kuhnergasse. An der Kummergasse standen 1779 in der westlichen Mitte drei Gärten mit Gebäuden, im Süden der westlichen Ecke ein Garten, später: In den Teichen Nr. 927 genannt, den bis 1804 Karl Gottlob von Anton besaß und dessen Wirtschaftsgebäude etwa 1925 abgerissen wurden.

Der noch jetzt enge Steg heißt 1850 auf der Karte in Neumanns Chronik Prophetensteg. Einen Teil der Nr. 923, eines alten Stadtgartens in der Größe von etwa 20 Morgen, kaufte die Stadt im Jahre 1863 und verwandte das Gelände zu einem Turnplatze. In dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude, jetzt Nr. 20, wohnte Friedrich der Große 1758 zweimal nach der Schlacht bei Hochkirch bei seinem Marsche nach Schlesien hin und zurück ). Ebenso wurde 1893 an dem früheren Modrachschen Grundstücke Heiligegrabstraße 68 (jetzt ein Neubau von 1899) ein Erinnerungsstein an den Aufenthalt des Prinzen Heinrich angebracht ).