Kränzelstraße (Federmarkt)

Durch den letzten großen Stadtbrand 1726 in Mitleidenschaft gezogen, präsentiert sich die Görlitzer Kränzelstraße heute hauptsächlich barock. Hier sind eine ganze Reihe von Wohnhäusern dieser Epoche erhalten.
Ursprünglich gehörten zur Kränzelstraße nur wenige Häuser. Die heutigen Hausnummern 6-11 und 24-28 waren dem Handwerk zugeordnet.
Noch 1726 wird an dieser Stelle ein Federmarkt erwähnt. Der südliche Teil der Kränzelstraße trug zu dieser Zeit die Bezeichnung Zippel oder Hinterhandwerk. Sie war damals noch eine Sackgasse und stieß direkt auf die Stadtmauer. Nur über eine schmale Gasse entlang der Mauer erreichte man das Webertor am Ausgang der Weberstraße.
In den Gebäuden dieses Bereiches der Stadt wohnten hauptsächlich Handwerker, zumeist Tuchmacher.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Handwerk, Kränzelgasse, Federmarkt, Kreuz,
Zippel (Peuß, auch Strumpf).

Jetzt kommen in diesem südöstlichen Teile der inneren Stadt nur die zwei Namen Handwerk mit 23 Nummern und Kränzelgasse mit 35 Nummern vor. 1728 hatte die Kränzelgasse nur 8 Häuser, 2 im Westen nach der Neißegasse und 6 im Osten von der Neißegasse bis zur Ecke, wo die Gase sich nach Osten erweitert. Das Handwerk umfaßte 1728 auch die jetzigen Nummern 6-11 und 24-28 der Kränzelgasse. Geht man noch weiter zeitlich zurück, so gewinnt der jetzt verschollene Name Federmarkt einen sehr breiten Raum, er springt tief in das Handwerk ein, ja 1403 gab es nach dem verlorenen Geschoßbuche von 1403 dort nicht weniger als 26 Wirte (Häuser) der Art, daß damals das gesamte Handwerk von ihm bedeckt wurde, wozu auch stimmt, daß in diesem Geschoßbuche der jetzige Straßenteil Handwerk gar nicht genannt wird. Noch 1726 beim Brande wird der Federmarkt genannt. Es scheint beinahe, als ob die Bezeichnung Federmarkt aus einer Zeit vor Gründung der Stadt stamme. In den erhaltenen Quellen (Stadtbücher und ähnlichen Quellen) habe ich nie etwas über den Handel mit Federn gelesen ). Der Name Zippel kommt 1728 für das Hinterhandwerk vor und umfaßte damals die gesamte jetzige südliche Kränzelgasse bis zur Berggasse. Für Zippel ist ein älterer Name Peußgasse. 1502 liest man: Haus bei dem Federmarkt im Zippel oder Peußgasse ). Im Steuerbuch 1559 werden unter Federmarkt 12 und 10 Häuser, darunter z.B. auch das Hinterhaus zu Neißgasse 30 (Handwerk 2) mit der Bezeichnung Sebastian Schützes Haus, unter Zippel oder Strumpf 6 Häuser aufgeführt. Ferner werden unter Kreuz (siehe oben S. 411) 5 Häuser erwähnt. Kreuz bezeichnet also eine Häusergruppe. Der Name Handwerk fehlt in dem Steuerbuch 1559 überhaupt.

Handwerk ist benannt nach dem Sitze des Handwerks, d.h. der Tuchmacher. Gemäß der geschichtlichen Entwicklung der Bezeichnungen ist es kein Wunder, daß sich der Gassenname Handwerk in ältester Zeit nur ganz vereinzelt findet, zuerst 1392, 1449 und 1458 ). Um so häufiger liest man Federmarkt, zuerst 1381, 1398,1401. Seine Lage wird bezeichnet durch „Stadtmauer hinter dem Federmarkte, Weighausturm hinter dem Federmarkt“ ), vornehmlich die Kaufbücher von 1433 bis 1563 bringen zahlreiche Belege. Zippel und Peuß und Strumpf haben die Bedeutung von Sackgasse - die Stadtmauer schob sich im Süden vor -, put heißt im Niederdeutschen Beutel, Sack. Den Namen Kränzelgasse fand ich zuerst 1489 ), also recht spät in der Form Krentzelgasse. Man denkt doch dabei zunächst an die Gasse, wo Kränze verkauft wurden. Allerdings findet sich auch wenigstens im 18. Jahrhundert die Form Grantzelgasse, wobei man auf das Wort grans (Spitze, Winkel) verweisen könnte ).

Die Brände von 1525 und 1726 haben in diesem Stadtteile arg gewütet; die Häuser gehörten zumeist kleinen Handwerkern, insonderheit Tuchmachern, und geben zu Bemerkungen wenig Anlaß.