Kränzelstraße 27 (Goldener Anker)

Das unter der Bezeichnung „Zum Goldenen Anker“ bekannte Görlitzer Gebäude ist ein großer Renaissancebau aus den Jahren 1540/45.
Deutlich kann man bereits an der Gliederung der Fassade erkennen, dass es sich hier um zwei zu dieser Zeit vereinigte schmalere Häuser handelt. In dem rechten der mittelalterlichen Vorgängerbauten existiert noch heute eine Hauskapelle mit reichen Wandmalereien (1. Hälfte 15. Jh.) erhalten.
Eine Besonderheit ist das Gebäude auch in konstruktiver Hinsicht. Im Inneren finden sich hier in allen Ebenen bis unter das Dachgeschoß gewölbte Räume. Die vielen liebevoll sanierten barocken Details stammen von einem grundlegenden Umbau im Jahr 1730.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Kränzelgasse 27 (382), genannt der Anker oder der goldene Anker, ist ein alter Brauhof, in dem Handel und Industrie lebhaft betrieben wurden. Das Haus mit seinem schönen Portale zeigt äußerlich den Stil der Renaissance um 1550. Das Portal ist dem von Petergasse 7 nahe verwandt; auf den beiden Enden der schräg ansteigenden Verdachung zeigen sich Rosetten, die sich auch in den Zwickeln vorfinden; die drei Geschosse haben verkröpfte Renaissancefaszien, die beiden unteren tragen Verdachungen. Das Untere ist um 1730 fast vollständig umgebaut. Der Hausflur zeigt ein malerisches Gepräge. Hierein zog als junge Frau ihres alternden Gatten, des reichen Tuchmachers Georg Finger, die Agnes, die Tochter des Vorwerksmanns Langejacob. Noch blutjung verwitwet, erregte sie das liebedürftige Herz Georg Emerichs, mit dem die Sage sie nach Jerusalem reisen läßt ). 1475 überläßt sie das Haus vor ihrer Reise nach dem Gelobten Lande ihrem Schwager Hans Schmidt; 1558-1644 ist Besitzer die Familie Kober. 1645-1678 die Familie Hagendorn, 1683 und 1706 Johann Schmidt, 1710 und 1753 Samuel Schmidt. 1754 und 1771 Johann Samuel Blumenthal und seine Frau, 1813 Rudolf Wilhelm Gemuseus, seit 1837 Karl August Gröschel, der 1844 Dampfbetrieb einrichtete, 1853 Halberstadt der Ältere, 1877 Halberstadt der Jüngere, 1880 Hamann, 1887 Moritz Iwand. -

 

weiterführende Texte: